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Der Konzertflügel des Theaters ist nahezu 100 Jahre alt – bald soll ein neuer angeschafft werden

Wenn die Töne schweben und leiern

Hameln (are). Götz Alsmann sagt: Diesen Flügel könne man nur noch als Blumenbank benutzen. Der brasilianische Countertenor Edson Cordeiro hat sich bei seinem Auftritt im Theater Hameln beinahe geweigert, seinen Pianisten an dem alten Instrument spielen zu lassen. Fakt ist: Der Konzertflügel des Theaters ist beinahe 100 Jahre alt. Wer das ganz hohe C anschlägt, erntet keinen Ton mehr. Die Ecken des Korpus’ sind abgeplatzt. Der Klavierlack weist etliche Kratzer auf. Auch die alten Elfenbeintasten haben Macken. Außerdem ist der Resonanzboden des Instruments gerissen, die Mechanik veraltet.

veröffentlicht am 04.11.2011 um 12:29 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 03:41 Uhr

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Auf der Seitenbühne steht das Instrument, wenn es nicht gebraucht wird. Und in letzter Zeit wird für Klavierkonzerte und Musiktheateraufführungen auf der großen Bühne immer wieder ein Konzertflügel geliehen, der den Anforderungen der Musiker gerecht wird. Bei Liederabenden auf der Studiobühne wird der alte Flügel ausgepackt.

Dass der ein knappes Jahrhundert auf dem Buckel hat „macht sich durchaus bemerkbar“, sagt Pianist Peter Stolle, der schon oft auf dem Instrument gespielt hat. Woran das festzumachen ist? „Er spielt sich ausgeleiert, verstimmt sich relativ schnell, die Töne schweben.“ Auch wenn er gerade erst gestimmt worden sei, hält der Flügel kaum bis zum Ende des Konzerts seine Stimmung. „Dass er immer regelmäßig gewartet wurde, merkt man zwar“, sagt Stolle. Doch die Macken seien nicht zu übersehen – und zu überhören. „In jedes Theater gehört ein gutes Instrument, weil das die Seele des Hauses ist.“

Damit das bald möglich ist, sammeln die Freunde des Theaters Hameln bereits seit 2010 Spenden für ein neues Instrument. „Sonst haben wir unsere Mitgliedsbeiträge in kleinere Projekte gesteckt – mal in Mikrofone, mal einen Zuschuss zum neuen Vorhang gegeben“, sagt Norbert Esser, Vorsitzender des Fördervereins. 2010 habe man überlegt, ein mehrjähriges Projekt aus der Spendenaktion für den Konzertflügel zu machen. „Wir werden drei Jahre lang unsere Mitgliedsbeiträge sammeln und darüber hinaus Spenden“, erklärt Esser. Mehr als 15 000 Euro sollen auf diesem Weg zusammenkommen. Verkauft werden schon seit Monaten weiße und schwarze Tasten sowie Hämmerchen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Tasten des alten Konzertflügels, der ja noch gelegentlich in Gebrauch ist. Sondern es sind Mustertasten, die der Braunschweiger Klavierhersteller Grotrian zur Verfügung gestellt hat.

Und der alte Flügel? „Der ist uns ja auch ans Herz gewachsen“, sagt Traute Römisch. Und fügt hinzu: „Aber es muss etwas passieren.“

Am Dienstag, 8. November, geben Traute Römisch und Andy Mokrus ein Benefizkonzert für den neuen und mit dem alten Flügel – auf der großen Bühne im Theater Hameln. Um 20 Uhr beginnt der „Best of Querbeet“-Abend, der Auszüge aus bisherigen Programmen enthält. Informationen über die Aktion der Theaterfreunde gibt es unter www.theater.hameln.de.

„Querbeet“ geht’s das nächste Mal am kommenden Dienstag. Traute Römisch und Andy Mokrus haben zuletzt am 26. September gemeinsam am alten Konzertflügel im TAB gesessen.

Foto: eaw



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