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Der Startenor Rolando Villazón gibt im Kuppelsaal des Congress Centrums ein Gastspiel mit „Sones Mexicanos“

Wenn die Spitzentöne nicht mehr spitze sind …

Hannover. Er verkörperte das Musterbeispiel einer weltweit steilen Karriere, bis irgendwann die Stimmbänder nicht mehr mitmachten. Zusätzlich war von Burnout die Rede. Aber dann kam er zurück, der „Popstar-Tenor“, wie „Die Welt“ Rolando Villazón titelte. Nun ist er mit den international besetzten Bolivar Soloists auf Tournee, wobei der Titel der Konzerte „Sones Mexicanos“ verkündet: Hier geht es nimmermehr um Verdi oder Puccini. Hier geht es um mexikanische Komponisten und mexikanische Ohrwürmer.

veröffentlicht am 25.11.2010 um 15:08 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 09:21 Uhr

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Autor:

Karla Langehein
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So auch am Mittwoch bei Pro Musica Hannover. Mit ausverkauftem Haus war zu rechnen. Aber offenbar reimt sich das Wörtchen Sensation inzwischen deutlich weniger noch als früher auf Villazón. Vielleicht hielten aber auch die höchsten Eintrittspreise der gesamten Saison den einen oder anderen vom Konzertbesuch ab. Wer sie bezahlt hatte, wurde mit sieben Euro nochmals zur Kasse gebeten für ein aufwendig gedrucktes Programmheft, das diesen Namen nicht verdiente.

Drinnen im Saal herrschte Popkonzert-Stimmung mit froher Beifallsbereitschaft. Der Aufwärmgang durch die Bolivar Soloists funktionierte bestens wie übrigens auch alle späteren Zwischengänge des südamerikanischen Menüs. Oder wurden womöglich die Instrumentalisten unversehens zum Hauptgang? Tatsächlich sind ihnen die musikalisch perfektesten und spannendsten Abschnitte des ansonsten etwas gleichförmigen Abends zu danken.

Dennoch: Für seine Anhänger war und blieb Villazón der Star des Abends. Wie ein gewiefter Entertainer plauderte er in sorgfältig gebrochenem Deutsch über dies und das, badete im Zuspruch seiner Fans und suchte in kleinen Dialogen den Kontakt zu ihnen. Natürlich sang er auch. Mit eng begrenzter Gestik und überlang ausgehaltenen Spitzentönen präsentierte er ganz in der Manier großer Opernarien eine Musik, die mit Oper nur wenig gemein hat. Dass dabei die Spitzentöne nicht mehr wirklich spitze waren und die Intonation auch in der Mittellage schwächelte, nährt die Sorge um den Zustand der kostbaren Stimmbänder. Die Begeisterung der Fans verringerte dies aber nicht im Mindesten.

Sang 2005 bei den Salzburger Festspielen an der Seite von Anna Netrebko: Rolando Villazón.

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