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Wenn der Van Gogh Sonnenblumen klaut

Hameln. "Wer Glück hat, hat Glück" hieß es am Sonnabend im Kunstkreis Hameln bei der Ausstellungseröffnung zu Gerhard Glücks "Komischer Kunst". Der bekannte Cartoonist, der Ikonen der Bildenden Kunst in neue Zusammenhänge stellt, war bei der Vernissage anwesend.

veröffentlicht am 17.06.2012 um 14:58 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 03:41 Uhr

kultur
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Von Ernst August Wolf

Hameln. Wenn Sie wissen wollen, wie ein beim Sonnenblumenklau ertappter Vincent van Gogh aussieht, oder sehen wollen, wie Narziss seinen „virtuellen Touchscreen“ berührt, gar neugierig sind, was ein Reiseleiter seinen Anvertrauten angesichts eines Fauns mit erigiertem Penis in pastoraler griechischer Landschaft rät, dann sind Sie bei der Ausstellung des Kunstkreises mit Werken von Gerhard Glück goldrichtig.
 Seit langem zählt der in Kassel lebende Cartoonist zu den bedeutendsten seiner Zunft, zieren seine Werke namhafte Blätter wie Süddeutsche, Neue Züricher oder Die Zeit. Dass Glück aus Kassel kam, hat Klaus Arnold als Vorsitzender des Kunstkreises bei seiner Begrüßung zu der Bemerkung veranlasst, dass zur Zeit fast alle Kunstinteressierten nach Kassel zur „documenta“ reisten, nur Gerhard Glück hätte den Weg umgekehrt von Kassel nach Hameln vorgezogen.
 Für die Hamelner Ausstellung, die bis zum 12. August im Kunstkreis zu sehen ist, wurden exklusiv Original-Arbeiten aus Glücks Reihe „Komische Kunst“ ausgesucht. „Wer Glück hat, hat Glück“, so Laudator Richard Peter. der in einem humorvollen Text das Augenmerk der zahlreichen Besucher aufs Wesentliche von Glücks Zeichnungen lenkte. Die seien etwa, zum Glück, im Gegensatz zu denen anderer berühmter Kollegen weniger von Aktualität getrieben. Alle Zeichnungen behandeln das Thema „große Kunstwerke und Künstler“ und rückten „das Große in der Kunst auf Augenhöhe“. Richard Peter: „Dabei nimmt Gerhard Glück Bekanntestes und banalisiert es.“ Und bleibt dennoch immer tiefgründig, intelligent und auch anspruchsvoll. „Ein bisschen setzt er schon voraus, und man muss viele Frösche küssen bis ein Prinz draus wird“, so der Laudator.
 Erschließt sich beispielsweise „Das Urteil des Paris“, drei verblühte alte Damen, denen auf einer Parkbank ein Zeitung lesender Hagestolz gegenüber sitzt, noch unmittelbar, so ist Edward Hoppers „Zweifel am Weg“ ohne Kenntnisse von Künstler und Werk nur oberflächlich deutbar.
 Gerhard Glücks „komische Kunst“ reiße die Kunstgeschichte zwar nicht aus den Fugen, hebe sie aber dennoch auf ein ungewohntes Podest, so Peter. Von den „Entenhausen ist überall“-Annäherungen an berühmte Vorbilder sind Glücks Blätter jedoch weit entfernt. Statt den Stilmitteln traditioneller Cartoonistik trifft der Zuschauer in Glücks Werken auf ausgefeilte, stimmungsvolle Bildideen, die ihren letzten Kick, ihre Pointe, durch eine blasse, fast zaghafte Bleistiftunterschrift bekommen. Farbe, Form und Bildgestaltung sprechen aber oft auch für sich. Wie im verblüfften Blick des beim Sonneblumenklau unter fahlgelber Sonne ertappten Vincent van Gogh. Gerhard Glücks „komische Kunst“, ein echter Glücksgriff im Sommerprogramm des Kunstkreises Hameln.
 Umrahmt wurde die Vernissage durch Vinh Khuat, Vikilu-Absolvent und Musikstudent in Hannover, der schon einmal mit seinem Temperament und seinen Songs das Publikum mitriss und auch am Samstagnachmittag wieder begeisterte.

  4 Die Ausstellung ist bis 12. August, Mittwoch bis Sonntag jeweils von 10 bis 13 Uhr und Mittwoch und Donnerstag zusätzlich von 15 bis 17 Uhr geöffnet.



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