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Witz lass nach: Tom Kühnel inszeniert Alan Ayckbourns Weihnachtskomödie „Schöne Bescherungen“ am Schauspielhaus

Wenn der Trommelhase die Sexszene anfeuert

Hannover. Mit allergrößter Sorgfalt nimmt der Puppenspieler sein Projekt in Angriff. Die Schemelchen, auf denen die Zuschauer sitzen sollen, sind nach Farben sortiert, die drei Schweinchen, die auftreten werden, sind durchnummeriert, die Assistentin wurde instruiert. Doch dann geht alles schief. Niemand will sein Stück sehen.

veröffentlicht am 13.11.2012 um 17:31 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 12:41 Uhr

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Autor:

Ronald Meyer-Arlt
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Die Puppentheaterszene ist einer der komischen Höhepunkte in Alan Ayckbourns an komischen Situationen nicht gerader armer Komödie „Schöne Bescherungen“. Seit ihrer Uraufführung 1980 wird sie immer wieder gern an deutschen Theatern gespielt.

Am Staatstheater Hannover hat Tom Kühnel das Stück inszeniert. Und er hat das Projekt mit allergrößter Sorgfalt in Angriff genommen. In solch einem aufwendigen Bühnenbild, mit solch ausgefeilter Kostümdramaturgie, mit so exakt berechneten Licht- und Soundeffekten wurde diese Komödie sehr wahrscheinlich noch nie inszeniert. Und so unkomisch wohl auch nicht.

Ist es die besondere Anerkenntnis des Bildungsauftrags? Oder ist es eine Art Eitelkeit? Jedenfalls kann das Staatstheater Hannover keine Komödie. Oder besser: will keine Komödie können. Man will keine Lachbude sein. Allerdings lacht das Publikum hier ja doch. Es geht gar nicht anders, bei Ayckbourn, diesem Großmeister der gut gebauten Bühnenkomik. „Schöne Bescherungen“ erzählt von einem weihnachtlichen Familientreffen: drei Paare, zwei Singles und jede Menge Klischees. Diesmal ist ein neuer Gast dabei: ein Schriftsteller, der von Rachel (ledig) eingeladen wurde. Am Ende wollen alle Frauen etwas von ihm – das treibt die Handlung voran und führt zu kuriosen Situationen, wie einer nächtlichen Sexszene unterm Weihnachtsbaum, bei der versehentlich ein Trommelhase in Betrieb gesetzt wird, der die Verwandtschaft weckt. Das ist neben dem Puppenspiel der andere komische Höhepunkt.

Carolin Eichhorst und Rainer Frank sind das patente Gastgeberehepaar. Susana Fernandes Genebra ist als absturzgefährdete Schwester Phyllis, Julia Schmalbrock als verbitterte, sich vorsichtig öffnende und wieder enttäuschte Schwester Rachel zu sehen. Mirka Pigulla und Sebastian Kaufmane spielen ein junges Paar, dem das Schlimmste womöglich noch bevorsteht, Hagen Oechel stakst als wortkarger Schriftsteller durch die Szene, und Janko Kahle spielt den glücklosen Puppenspieler Bernard weich, nachgiebig, leidend – und sehr witzig.

Jo Schramm überrascht mit einem aufwendigen Bühnenbild: Die Bühne – eine weitläufige Diele im rustikalen Landhausstil – hält manchen Knalleffekt parat.

Nach drei Stunden gab’s für die Premierenaufführung eher matten Applaus. Der große Publikumsmagnet zur Weihnachtszeit wird diese Inszenierung wohl nicht werden. Aber sie macht Eindruck. Wie hier ein Regisseur auf die Komik pfeift, das hat auch schon wieder was.

Die weiteren Termine: am 17., 22., 28. und 30. November im Schauspielhaus Hannover.



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