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Wenn der Amoklauf die Bühne erobert: Schulmassaker als Theater

Hannover. Wie weit darf die Kunst gehen? Ist es erlaubt, einen Amoklauf fürs Theater zu inszenieren? Das Junge Schauspiel Hannover, die Jugendabteilung des Staatsschauspiels, hat nun die Wirklichkeit ge- und besucht: In der hannoverschen Tellkampfschule spielt man „KomA“, ein Stück über Schulmassaker. Besetzt ist das Stück mit Laiendarstellern: Schüler stellen Schüler dar. Sie rufen „Peng“ und stürzen zu Boden. Dort bleiben sie wie tot liegen. Dann stehen sie auf und sagen, wie es war, erschossen zu werden. Ist das dem Thema angemessen? Diese Frage ist unfair, denn welche künstlerische Formulierung kann schon angemessen sein? Ein Amoklauf an einer Schule ist nicht darstellbar.

veröffentlicht am 13.04.2010 um 16:45 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 02:21 Uhr

tellkampf
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Hannover. Wie weit darf die Kunst gehen? Ist es erlaubt, einen Amoklauf fürs Theater zu inszenieren? Das Junge Schauspiel Hannover, die Jugendabteilung des Staatsschauspiels, hat nun die Wirklichkeit ge- und besucht: In der hannoverschen Tellkampfschule spielt man „KomA“, ein Stück über Schulmassaker. Besetzt ist das Stück mit Laiendarstellern: Schüler stellen Schüler dar. Sie rufen „Peng“ und stürzen zu Boden. Dort bleiben sie wie tot liegen. Dann stehen sie auf und sagen, wie es war, erschossen zu werden. Ist das dem Thema angemessen? Diese Frage ist unfair, denn welche künstlerische Formulierung kann schon angemessen sein? Ein Amoklauf an einer Schule ist nicht darstellbar.

Drei Stunden dauert die Schul(auf)führung. Das ist lang, zumal der Text eher improvisiert als gelernt erscheint. Schauspielerin Wiebke Frost, die eine Kunstlehrerin spielt, sagt, um Wartezeit zu überbrücken, fortwährend nur: „Ich fass’ es nicht!“ Ihr Kollege Dominik Maringer (die beiden sind die einzigen Profis im Projekt) stellt als Musiklehrer dem Publikum gern mal Fachfragen zur Metal-Musik. Die knapp 20 Schülerdarsteller sind mit Leidenschaft bei der Sache.  Nach den drei Stunden Spielzeit (immerhin vier Schulstunden, ohne Pause) sind die Zuschauer erschöpft und ein bisschen verstört. Sie werden erheblich ins Spiel einbezogen. Besonders zum Schluss steigert sich die Aggressivität in den Szenen. Die Zuschauer werden angerempelt, beleidigt, von Kreidefingern berührt. Erklären kann ein Theaterstück die Ereignisse von Erfurt, Emsdetten oder Winnenden nicht. Aber es kann versuchen, ein Gefühl für die Atmosphäre zu schaffen, in der ein Amoklauf möglich wird. Das ist den Spielern gelungen.



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