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Regisseurin Ulrike Hofmann hat aus dem Thema Alzheimer eine szenische Lesung gemacht

Wenn das Gehirn plötzlich Haken schlägt

Hameln. „Ich habe mich sozusagen verloren“, sagt Auguste Deter mit leiser Stimme, als sie ihren eigenen Namen nicht mehr schreiben kann. Ihr Arzt Dr. Alois Alzheimer versucht, mit eindringlichen Fragen Ordnung in die Gedankenwelt seiner Patientin zu bringen. „Sind sie traurig?“, fragt er. „Immer, aber meist nicht“, antwortet sie mit schwachem Lächeln.

veröffentlicht am 25.09.2012 um 18:36 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 19:41 Uhr

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Autor:

Nadja Bähr
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„Die Akte Auguste D.“ wurde am Montagabend als szenische Lesung im Theater Hameln aufgeführt, in Kooperation mit der Alzheimer-Gesellschaft. Regisseurin und Dramaturgin Ulrike Hofmann und Schauspieler Basil Dorn erzählen die Geschichte einer Krankheit in Gesprächen zwischen Arzt, Patientin und Ehemann auf berührend authentische Weise. „Als ob ihr Gehirn Haken schlägt“, beschreibt Augustes Mann ihr rätselhaftes Verhalten. „Sie war doch 50 Jahre lang ganz normal!“

Auguste D. ist die erste dokumentierte Alzheimer-Patientin. 1901 – zu einer Zeit, als die Krankheit noch keinen Namen hatte und Dr. Alois Alzheimer als junger Assistenzarzt in Frankfurt eine auffällige Patientin behandelt. Penibel protokolliert er die mit Auguste geführten Gespräche. Die Original-Krankenakte war fast 100 Jahre lang verschollen und wurde 1997 von den beiden Alzheimer-Forschern Konrad und Ulrike Maurer entdeckt. „Ich fand diese Gespräche so besonders, dass ich damals vorschlug, ein Theaterstück daraus zu machen“, erzählt Ulrike Hofmann.

Wortfindungsstörungen, Wortlosigkeit, Wortkreationen – mit der Sprache fängt die Krankheit an. „Als Dramaturgin hat mich zunächst die Sprache interessiert“, sagt Hofmann. „Sprache bedeutet Identität.“ Wenn beides langsam schwindet, entstehen Ängste. Schauspieler Basil Dorn macht dies in einer Szene fühlbar: Ein Wort fällt ihm nicht ein, stattdessen – eine „Leerstelle im Gehirn“. Er umkreist das Wort mit allem, was es ausmacht, aber es „schwimmt nicht an die Oberfläche“. Ein anderes Wort macht sich angstvoll breit: „Alzheimer – das schwebte wie eine Guillotine über mir.“

Im Publikumsgespräch rät Dorn dazu, sich im Umgang mit Alzheimer-Patienten bewusst auf eine andere Ebene einzulassen. „Wir müssen aufhören, diese Menschen verändern zu wollen. Wir selbst müssen unser Verhalten ändern!“



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