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Im Interview: Ilya Kabakov spricht über Kunst, Kosmos und Müllberge

„Weltkultur war für uns ein Ideal“

Herr Kabakov, Ihre Ausstellung trägt den Titel „Eine Rückkehr zur Malerei“. Wieso sind Sie zur Malerei zurückgekehrt?

veröffentlicht am 02.02.2012 um 15:33 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 18:21 Uhr

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Autor:

Johanna Di Blasi
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Mich interessierte die Malerei wegen ihrer Permanenz. Installation ist ein sehr provisorisches Genre. Nach der Ausstellung kommen die Dinge in den Keller, werden zerrissen oder weggeworfen. Wenn nicht die Künstler, sondern Kuratoren die Installationen später wiederaufbauen, sind es im Grunde Müllberge. Malerei aber bleibt.

In neuen Gemälden geben Sie Einblick ins Familienalbum der Kabakovs. Man sieht Ihre Mutter, die Tanten. Was wollen Sie zeigen?

Manche meinen, es ginge mir um Familienporträts. Das ist aber nicht so. Ich zeige Leute, die aus dem Bild herausschauen, in deine Augen, deine Seele. Sie sind schon lange tot, stellen aber Fragen ohne Worte. Sie führen ein tiefes Gespräch mit dem Betrachter. Sie fragen: „Was machst du? Was fühlt du? Was ist dir wichtig?“

Sie haben in Moskau in der späten Sowjetzeit ein Doppelleben als offizieller und inoffizieller Künstler geführt. Heute leben Sie in den USA. Fühlen Sie sich inzwischen als Amerikaner?

Nein, ich bin bis heute ein sowjetischer Mensch. Die Amerikaner sind sehr pragmatisch, meine Mentalität ist russisch.

Wo haben Sie Kunst und Kultur als lebendiger empfunden: in der Sowjetunion, in der vieles verboten war, oder im Westen, wo fast alles erlaubt ist?

Die offizielle Kultur der Sowjetunion war für mich keine Kultur, sondern eine Pseudokultur. Eine reale Kultur gab es nur in den Museen in Moskau und Sankt Petersburg. Wir Kulturinteressierten fragten uns damals, was Kultur sei. Wir hatten starke idealistische Träume über Weltkultur. Das war eine ganz andere Situation als im Westen, wo es eine Tradition der zerstörerischen Avantgarde gibt, wo Künstler Kultur zerstören wollen.



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