weather-image
24°

Wie ökologisch Kulturveranstaltungen sind: Kaum jemand ermittelt bisher die CO2-Werte – aber es gibt einige Ideen

Welches ist der klimafreundlichste Kulturgenuss?

Die Errechnung einer persönlichen Kohlendioxidbilanz ist einfach. Im Internet gibt es viele Anbieter, mit deren Hilfe man zu ähnlichen Ergebnissen kommt. Bei der Umweltorganisation WWF reichen zehn Fragen für den Selbsttest: Ich fahre viel Bahn, lebe in einem Haus, das vor 1978 gebaut worden ist, und teile mir eine Wohnung mit einem Mitbewohner. Ich bin Vegetarier, kaufe Dinge, die lange halten sollen, mein Stromverbrauch ist durchschnittlich. Ich erhalte das Prädikat „Respekt!“. Mit 7,36 Tonnen CO2-Verbrauch liege ich unter elf Tonnen CO2 im Jahr, die ein Deutscher durchschnittlich produziert.

veröffentlicht am 10.12.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 12:41 Uhr

Aktion für Klimaschutz: 600 Nackte posieren auf dem Schweizer Al

Autor:

Jan Sedelies
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Komplexer wird die Rechnung, wenn man den Besuch von Kultureinrichtungen einbezieht, denn natürlich produziert jede Opernaufführung, jede Filmvorführung, jede Lesung CO2 – da kann sich der Besucher noch so oft „Die unbequeme Wahrheit“ von Al Gore anschauen.

Konkrete Zahlen gibt es aber kaum. So haben etwa die Cinemaxx-Kinos noch nie ihren CO2-Ausstoß berechnen lassen. Anders die Niedersächsischen Staatstheater Hannover, zu denen Opernhaus, Schauspielhaus, die Ballhoftheater und Werkstätten an der Maschstraße gehören: Energiemanager ermittelten einen jährlichen CO2-Ausstoß von 4000 Tonnen. Im Sommer wurde begonnen, mit Dämmungen und Energiesparlampen den Wert zu senken. Ziel ist es, den Energieverbrauch bis 2012 um 30 Prozent zu senken.

Im Theater Hameln, so teilt Katja Dittmann von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit, ist das Thema Energiesparen „natürlich ein ganz wichtiges“. So sei die Außenbeleuchtung auch tatsächlich unter diesem Aspekt ausgewählt worden. „Ein spezielles Gutachten für das komplette Haus gibt es jedoch nicht.“ Damit ist das Theater Hameln aber nicht allein.

Greenpeace-Sprecher Björn Jettka erklärt, dass man für einen Vergleich klimafreundlicher Veranstaltungen die Anfahrtswege der Künstler und Besucher einbeziehen müsste. So kann ein schlecht besuchtes Tanzfestival mit internationalen Fachbesuchern eine schlechtere CO2-Bilanz aufweisen als das ausverkaufte Konzert der lokalen Rockband. Demnach wäre das Lesen eines Buches im Wohnzimmer der klimafreundlichste Kulturgenuss, wobei das Buch aus Umweltpapier sein sollte oder in einer klimaneutralen Druckerei gedruckt.

Trotzdem geht es umweltschonender, denn es gibt durchaus Kulturunternehmen, die nach einem CO2-Check Ausgleichszahlungen vornehmen. So nennt sich das Kino im Waldhorn in Rottenburg am Neckar seit dem 1. November „Erstes klimaneutrales Filmtheater“. Inhaber Elmar Bux errechnete, dass sein Kino samt Betrieb, Strom, Heizung, Anfahrtswegen der Besucher und Gastronomiebetrieb 70 Tonnen Treibhausgase im Jahr produziert. Um diese CO2-Bilanz auszugleichen, unterstützt er seither ein Aufforstungsprojekt in Uganda, für fünf Cent pro Kinokarte. „Ich möchte Kollegen zur Nachahmung ermuntern“, sagt Bux.

Auch im Buchbereich gibt es erste Initiativen für den Klimaschutz. So ist in Bremen mit „Anares – Der Mailorder für gesellschaftskritische Literatur“ der erste klimaneutrale Buchvertrieb entstanden. In einem Pilotprojekt untersuchten Experten der Bremer Klimaschutzagentur „Energiekonsens“ Bürozeiten und Energieverbrauch vom Licht bis zur Kaffeemaschine. Im Gegenzug unterstützt der Vertrieb „co2mpense“, ein Aufforstungsprogramm des Ökostromanbieters „NaturWatt“ bei Bremen.

Auch die Betreiber von Musikfestivals sorgen sich um eine ausgeglichene CO2-Bilanz. Das Lüneburger Studentenfestival „Lunatic“ errechnet seit 2007 die CO2-Emission der An- und Abreise der Künstler und überweist entsprechende Beträge an Projekte, die in Indien Kohlewerke durch Windkraftanlagen ersetzen. Sogar das Konzert der Sängerin Cassandra Steen im Oktober in Hannover war „klimaneutral“; die Organisation „CO2OL“ förderte weltweit Aufforstungsprogramme. Greenpeace befürwortet die Ideen – auch wenn sich die Organisation eher auf global tätige CO2-Produzenten konzentriert. Klingt nach dem Prädikat: „Respekt!“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?