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Welche Rolle das Porträt im 20. Jahrhundert spielt

Von Klaus Zimmer

Hannover. Porträts haben immer einen memoristischen Aspekt, dienen als Erinnerung an einen Menschen, in seiner Persönlichkeit, oder an einen bestimmten Moment. Frühe Beispiele sind die Mumienporträts aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert und die römischen Kaiserporträts. Doch das Darstellen des Kopfes als charaktergebenden Teil des Körpers kann erst in der späten Klassik und der Neuzeit – beispielsweise bei Dürer – verfolgt werden. Und mit zunehmendem Wohlstand wollte schließlich auch der Bürger, nach dem Adel, seine Familie in Öl an der Wand haben. Das Sprengel Museum setzt sich auseinander mit dem Porträt im 20. Jahrhundert, das gleichzeitig durch das Vordringen der Fotografie den Abschied einläutete vom gemalten Bild eines Künstlers.

veröffentlicht am 05.04.2010 um 15:44 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 02:41 Uhr

jackie
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Von Klaus Zimmer

Hannover. Porträts haben immer einen memoristischen Aspekt, dienen als Erinnerung an einen Menschen, in seiner Persönlichkeit, oder an einen bestimmten Moment. Frühe Beispiele sind die Mumienporträts aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert und die römischen Kaiserporträts. Doch das Darstellen des Kopfes als charaktergebenden Teil des Körpers kann erst in der späten Klassik und der Neuzeit – beispielsweise bei Dürer – verfolgt werden. Und mit zunehmendem Wohlstand wollte schließlich auch der Bürger, nach dem Adel, seine Familie in Öl an der Wand haben.
 Das Sprengel Museum setzt sich auseinander mit dem Porträt im 20. Jahrhundert, das gleichzeitig durch das Vordringen der Fotografie den Abschied einläutete vom gemalten Bild eines Künstlers.
 Einige Beispiele beim Rundgang, den man vor Käthe Kollwitz’ Radierung (Weichgrund) „Gesenkter Frauenkopf“ beginnen sollte: ein Blatt, das die soziale Prägung und den Weltschmerz der Künstlerin transparent werden lässt. In einer anderen, selbstbewussten Handschrift stellen sich die „Brücke“-Maler (gegründet 1905 in Dresden) der Öffentlichkeit. Ihre Erfassung des Menschenbildes, die Polarität der Geschlechter, die Spannungen, Ängste und Nöte, die sich in den Gesichtern und einer oft verzweifelten Bewegungslosigkeit spiegelt, schockierten zunächst, denn von liberaler Gesinnung waren die Doktrinen der Theoretiker ähnlich weit entfernt wie die Ideologien der Diktaturen. Mit dem Schlagwort „Verlust der Mitte“ attackierte damals der Kunsthistoriker Hans Sedlmayr sogar die gesamte Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts.
 Die Selbstporträts von Max Beckmann (1884 bis 1950) wiederum, eingebunden häufig in Handlungen, um „sich selbst zu beobachten“, sind auch ein memento mori, bezogen auf sein Ich.
 Viele Darstellungen der Frauen und Lebensgefährtinnen Pablo Picassos (1881 bis 1973) in unzähligen Variationen sind für sich gesehen schon ein Anlass zum Besuch der Schau. Parallel dazu auch das erbarmungslose Erkennen seines Alterns, die neue Rolle als Zuschauer, ist beeindruckend. Und schließlich die Porträt-„Ikonen“ von Andy Warhol (1928 bis 1987), setzen Wegzeichen in der beginnenden Pop-Art-Handschrift: Zusammenspiel von Polaroid und Serigrafie. Von Carl Frederik Reuterswärd (1934) die erfundenen Künstler, seine „Heiligen Monster“, oder die Ironie beim Betstuhl mit hintergründigem Leonardo.
 Mit dem Fotorealismus, wo Künstler wie Franz Gertsch und Chuck Close die realistische Sicht befragen und Timm Ulrichs das lebendige Kunstwerk durch Fotoblitz ohne Gesicht, als „Geistesblitz“ zur Diskussion stellt.
 Selbstverständlich sind noch eine Menge weiterer Porträts zu sehen: von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl-Schmidt-Rottluff, Otto Mueller, Marc Chagall, Dieter Roth, Niki de Saint Phalle, Arnulf Rainer oder Fritz Burger-Mühlfeld.

- Zu sehen bis 24. Mai, www.sprengel-museum.de

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