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Knarzige Stimme, swingende Band: Bob Dylan vor 4500 Zuschauern in Hannover

Weiter gemeinsam durchs Leben

Hannover. Nach gut 100 Minuten und 17 Songs steht Bob Dylan mit angewinkelten Armen am Bühnenrand der AWD-Hall, die Handflächen nach oben gerichtet, die Huldigungen seiner 4500 Gäste entgegennehmend. Diese beklatschen vor allem ein furioses Finale aus drei Zugaben: „All Along The Watchtower“, weder Hendrix noch Folkie, sondern getragen von Orgelmotiven, die Dylan wie einen roten Faden durch das Konzert zieht. „Dignity“ schlendert so gemütlich wie würdevoll dahin und „Thunder On The Mountain“ aus dem Album „Modern Times“ ist ein Beispiel für die vielen neueren Lieder, die das alte mythische Amerika heraufbeschwören, um es mit dunklen modernen Zeiten zu kontrastieren. Das erinnert vom Duktus her an Chaplin, sind dessen Filme doch genauso zeitlos wie Dylans Songs. „Masters Of War“ und „John Brown“ funktionieren auch heute: Der Soldat, dessen Gewissenskonflikt ihn zu einem Kriegsversehrten macht, mag eben aus dem Irak zurückgekehrt sein. „I just want you to know, I can see through your masks“, schleuderte Dylan erstmals 1963 den Kriegsherren entgegen. Geändert hat sich nicht allzu viel.

veröffentlicht am 01.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 08:21 Uhr

Möchte bei Konzerten nicht fotografiert werden: Bob Dylan.

Autor:

Martin Jedicke
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Großartige Band steht dem Meister zugewandt

Geändert im Laufe von Dylans „Never Ending Tour“ hat sich aber die Verlässlichkeit seiner Konzerte. Die großartige Band mit George Recile (Drums) und dem Multiinstrumentalisten Don Herron (Lap- und Pedal-Steel-Gitarre, Banjo, Mandoline, Geige) bilden eine kompakte Einheit, stehen im Halbkreis dem Meister zugewandt, die Gitarristen Tony Garnier (Bass), Stu Kimball (Rhythmusgitarre) und Denny Freeman (Leadgitarre) in beigen Anzügen und schwarzen Hüten, Dylan in schwarzem Anzug und weißem Hut. In rasanter Fahrt preschen sie über den „Highway 61“, Dylans Orgel gemahnt gar an „Born To Be Wild“, sie machen Rast unter einem projizierten Sternenhimmel („Shooting Star“), erinnern sich beschwingt an vergangene „Summer Days“, werden aufgehalten („Stuck Inside Of Mobile“) und rumpeln fröhlich weiter durch Blues und Rock’n’Roll („The Levee’s Gonna Break“).

An manchen Stellen aber droht der Damm zu brechen: „Chimes Of Freedom“ leidet unter Dylans uninspiriertem Sprechgesang, der „Leopard-Skin Pill-Box Hat“ ist an diesem Abend eher mit Katzenfell bespannt und kommt zahm daher, und „Like A Rolling Stone“ verweigert die Melodie des Refrains, animiert keinen mehr zum Mitklatschen – und gelingt trotzdem. Tatsächlich passt Dylans knarzige Stimme meist wunderbar zu den Arrangements, die zwischen federndem Boogie und swingendem Rock’n’ Roll dahinschaukeln.

Dylan als zwielichtiger Zirkusdirektor

Gleich einem zwielichtigen Zirkusdirektor blickt Dylan aus den Konzertplakaten. Darunter fast als Drohung: „Don’t you dare miss it!!“ Die vielen Facetten des 67-Jährigen sichtbar werden zu lassen, gelang Todd Haynes in seinem Film „I’m Not There“ ganz famos. Dylan selbst trägt kommunikativ dazu wenig bei, beschränkt sich auf die Bandvorstellung. Die Musik aber spricht für sich. Ende April erscheint das neue Album „Together Through Life“. Weiter gemeinsam durchs Leben? Gern, Herr Zimmerman.



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