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Winterliche Lieder und georgischer Frauenchor

Weihnachten mit Katie Melua

HANNOVER. Sängerin Katie Melua ist in Georgien in einer Großfamilie aufgewachsen. Vor zwei Jahren hat sie das Album „In Winter“ mit dem Gori Women’s Choir aufgenommen. 14 der georgischen Frauen waren jetzt bei ihrem Auftritt in Hannover dabei.

veröffentlicht am 27.11.2018 um 16:27 Uhr

Katie Melua verzauberte mit Winterliedern das Publikum im ausverkauften Kuppelsaal. Foto: jed
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Autor

Martin Jedicke Reporter
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Man glaubt es nicht: Katie Melua ist gerade mal 34 Jahre alt. Gefühlt begleitet sie uns schon eine Ewigkeit. In Georgien in einer Großfamilie mit geringen finanziellen Möglichkeiten aufgewachsen, geht es über Moskau nach Belfast und schließlich nach London. Melua ist gerade 19 Jahre alt, als ihr mit „The Closest Thing to Crazy“ der erste Hit gelingt. Mit jeder Platin-Platte mehr droht Katie Melua die Bodenhaftung zu verlieren, der Körper streikt, ein Zusammenbruch zwingt sie zu einer Auszeit und zur Besinnung. Sie probiert Neues, arbeitet mit großem Orchester. Das 2014er-Album trägt ihren georgischen Vornamen Ketevan. Zeichen einer Rückbesinnung auf die Wurzeln. Vor zwei Jahren nimmt sie „In Winter“ mit dem Gori Women’s Choir auf. 14 der georgischen Frauen sind in Hannover dabei und überstrahlen mit ihrer Stimmgewalt am Ende sogar die Band, wissen sich aber auch als sakraler Background zurückzunehmen.

Melua beginnt zunächst allein zur Akustikgitarre mit einem in ihrer Muttersprache gesungenen Lied. Zum „Plane Song“ gesellt sich ihr Bruder Zurab an der E-Gitarre hinzu, bis schließlich Mark Edwards (Keyboards, Piano, Orgel), Tim Harries (Akustik- und E-Bass) und Nicky Hustinx (Schlagzeug) die Band komplettieren. Zu Joni Mitchells „River“ betritt erstmals der Chor die Bühne. Und meiner Sitznachbarin entfährt ein tiefer Seufzer: Ja, ist denn schon Weihnachten? Folgen doch ein rumänisches Lied zur Geburt Jesu und gleich danach „O Holy Night“. Im Hintergrund trabt ein Elch in Zeitlupe durch den verschneiten Winterwald, ein putziger Bär winkt einer aus Zuckerwürfeln belebten Familie hinterher, und die Schneeflocken tanzen allüberall. Immer knapp am Kitsch vorbeigeschrammt, doch aufgepasst: Am Wochenende beginnt die Adventszeit. Dennoch vergisst Melua ihre Hits nicht. „Nine Million Bicycles“, „I Cried for You“ oder „Piece by Piece“ sowie The Cures „Just Like Heaven“, der Bond-Song „Diamonds Are Forever“ und Blacks „Wonderful Life“ fügen sich gefällig ins Klangbild ein. Nur bei „The Flood“ darf der Drummer ein bisschen fester zuschlagen. Rock und Blues heute abwesend.

Obwohl sich Melua im nasskalten Novemberwetter eine Halsentzündung eingefangen hat und manche Töne vielleicht eine Idee weniger lange hält, bleibt ihre Stimme klar wie ein sonniger Wintermorgen und wärmt die 3000 Gäste im Kuppelsaal wie ein knisterndes Kaminfeuer. Sie goutieren den geglückten Brückenschlag zwischen osteuropäischer Tradition und angelsächsischem Folkpop und danken mit stehenden Ovationen. Auch wenn es – wohl der Laryngitis geschuldet – bei einer einzigen Zugabe bleibt.



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