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Der Hollywood-Regisseur spricht im Interview über seinen neuen Historienfilm „Anonymus“

Was war Shakespeares Ziel, Herr Emmerich?

Berühmt geworden ist Roland Emmerich mit seinen Katastrophenfilmen „Independence Day“, „Godzilla“, „The Day after Tomorrow“ und „2012“. Am 10. November startet sein Shakespeare-Epos „Anonymus“ in deutschen Kinos. Im Interview spricht der 1955 in Stuttgart geborene Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Hollywood über seinen Film.

veröffentlicht am 01.11.2011 um 14:16 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 03:41 Uhr

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Autor:

Stefan Stosch
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Herr Emmerich, welches Shakespeare-Stück haben Sie zuletzt gesehen?

Das war in London im National Theatre, und zwar Derek Jacobi als „King Lear“.

Dass Sie mal einen Film über Shakespeare drehen – darauf muss man erst mal kommen.

Stimmt, das hätte dem Film sogar schaden können, so nach dem Motto: Jetzt hat der Emmerich ein paarmal die Welt in die Luft gejagt, und nun lässt er das Shakespeare-Denkmal hochgehen. Aber ich bin froh, dass ich „Anonymus“ gedreht habe. Der Film war für mich ein Befreiungsschlag.

Und mittlerweile fachsimpeln Sie im Kreise von Shakespeare-Experten über die Identität des Dichters. Hätten Sie sich das je träumen lassen?

Nee, da muss ich mich immer noch selbst kneifen. Kürzlich habe ich auch etwas Extremes erlebt: In London hat mich ein Debattierklub eingeladen, ich wurde eingerahmt von drei Fachleuten links und drei Fachleuten rechts. Da sind die Fetzen geflogen. Die sogenannten Stratfordians, also jene, die an die Autorenschaft von Shakespeare glauben, und die Oxfordians, also jene, die glauben, dass der 17. Earl von Oxford die Stücke geschrieben hat, haben sich tüchtig in die Haare gekriegt.

Sie gehören der letzteren Fraktion an. Wie sicher sind Sie sich, dass sich der Earl hinter Shakespeare versteckt hat?

Jedenfalls bin ich hundertprozentig davon überzeugt, dass der Mann aus Stratford nicht der Autor war. Und bei all den Kandidaten, die im Angebot sind, halte ich den Earl von Oxford für den überzeugendsten.

Ärgern Sie sich, wenn Ihnen Experten vorwerfen, Ihr Film strotze vor Fehlern?

Nein, überhaupt nicht. Der Film strotzt tatsächlich vor Fehlern – so wie jeder Film, der ein historisches Thema anpackt. Man will eine stimmige Geschichte erzählen, und wenn sie nicht stimmig ist, wird sie stimmig gemacht. So ist ja auch Shakespeare verfahren. Wer dessen historische Dramen für bare Münze nimmt, ist – Pardon – ein Idiot. Geschichtliche Genauigkeit war nicht sein Ziel. Ich glaube, er wollte der Königin und ihrem Hof den Spiegel vorhalten.

Haben Sie alle 5000 Bücher zum Thema Shakespeare-Autorenschaft gelesen?

Nicht alle, aber fast alle. Sie dürfen nicht vergessen: Von dieser immensen Zahl sind 95 Prozent im Selbstverlag erschienen. Es gibt vielleicht 150 ernstzunehmende Bücher. Dass so viele darüber schreiben, zeigt aber auch, dass die meisten nicht überzeugt davon sind, dass der Mann aus Stratford der Autor ist – was ich sehr gut verstehe. Als mir 2002 Drehbuchautor John Orloff sein Skript in die Hand drückte, war ich sofort fasziniert.

Haben Sie mal daran gedacht, den Film unter einem Pseudonym zu drehen – vielleicht als „Anonymus“?

Anfangs ja. Das hat aber nicht geklappt. Die Leute in meinem Umfeld haben mich für verrückt erklärt.

Sie sehen in dem Film etwas Zerstörerisches?

Aus der Sicht eines Professors beim Shakespeare Birthplace Trust, der in Stratford wohnt und drei Bücher über Shakespeare geschrieben hat – für so einen bin ich Roland, der Zerstörer. Dabei will ich zeigen, wie unglaublich talentiert dieser Shakespeare war.

War es für Sie eine Erleichterung, die Welt mal nicht zu zerstören?

Absolut, das ging auch meinem Team so, besonders denen, die für die visuellen Effekte zuständig waren. Das sind ja dieselben Leute, die auch schon bei „Independence Day“ und „2012“ dazugehörten. Für die war es eine Freude, sich damit zu beschäftigen.

In seinem Drama „Anonymus“ spekuliert Roland Emmerich im Elisabethanischen Zeitalter über den wahren Urheber der Shakespeare-Werke. War es tatsächlich der Mann aus Stratford? Foto: afp



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