weather-image
21°

Regisseur Albrecht Hirche inszeniert Kafkas Roman – und spricht über seine Bühnenfassung

Warum sich „Der Prozess“ fürs Theater eignet

Hannover. Gerade hat Franz Kafkas Romanfragment „Der Prozess“ im Düsseldorfer Schauspielhaus Premiere in einer Inszenierung von Andrej Mogutschi gefeiert – schon steht eine weitere Premiere an. Albrecht Hirche inszeniert die Geschichte vom unschuldig verhafteten und hingerichteten Bankprokuristen K. nun auf der Cumberlandschen Bühne des Schauspiels Hannover. Die Premierenvorstellung beginnt am Sonntag, 23. September, um 20 Uhr.

veröffentlicht am 18.09.2012 um 15:49 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 20:41 Uhr

270_008_5833009_100850933.jpg

Autor:

Ronald Meyer-Arlt
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Herr Hirche, Sie inszenieren am Schauspiel Hannover Kafkas Roman „Der Prozess“. Haben Sie Angst vor dem Stoff?

Nein. Warum sollte ich?

Weil das Theater hier doch nur verlieren kann. Schließlich muss das Theater Dinge sicht- und greifbar machen, die bei Kafka mit gutem Grund ungreifbar sein sollen.

Zuerst mal muss ich sagen, dass man mit Angst nirgendwo weit kommt. Vielleicht wird mein Zugang zum Roman deutlich, wenn ich die Bühne beschreibe: Wir spielen auf der Cumberlandschen Bühne. Da gibt es auf der Spielfläche links so einen Kubus, durch den die Schauspieler auf die Bühne gelangen. Den habe ich für die rechte Seite nachbauen lassen. Dazwischen gibt es einen teppichartigen Vorhang, hinter den Leute verschwinden können. Die Zuschauer werden möglicherweise das Gefühl haben, dass sie eigentlich nur die Vorbühne sehen. Die ganze Welt, um die es hier geht, bleibt eher im Verborgenen.

Vom System verschluckt: Henning Hartmann als Bankprokurist K. Foto: Ribbe

Ein alter Theatertrick: Das, was zu groß ist, um gezeigt zu werden, verschwindet hinter dem Vorhang.

Natürlich. Aber das muss ja nicht schlecht sein. Ich bin der Meinung, dass sich „Der Prozess“ wunderbar fürs Theater eignet. Und ich habe schon viele Romane auf die Bühne gebracht.

Ihre jüngste Arbeit für die Cumberlandsche Bühne war „Fegefeuer“ von Sofi Oksanen. Der Roman spielt in Estland, und Sie haben estnische Folklore eingesetzt.

Es zeichnet mich ja nun mal aus, dass ich ein großer Formalist bin.

Ist es auch bei Kafkas „Prozess“ so, dass man eine Idee braucht, über die man dann das ganze Werk erzählen kann?

Nein, eine Idee ist zu wenig. Die Inszenierung setzt sich aus verschiedenen Ideen zusammen, und im Idealfall ergibt sich dann ein etwas poröses Gesamtbild. Ich gehöre nicht zu denen, die einer einzigen flippigen Idee nachgehen und die mit aller Gewalt umsetzen. Wenn ich einen Roman auf die Bühne bringe, versuche ich immer, in das Buch hineinzuhören. Bei der Lektüre und bei den Proben ist mir aufgefallen, dass „Der Prozess“ immer größer wird, je länger man sich mit ihm beschäftigt. Kafka geht deutlich über das hinaus, was wir heute so als unheimlich empfinden.

Im zeitgenössischen Theater gibt es einige Konventionen beim Spielen von Romanen. Man hat einen Einheitsraum, jeder Schauspieler stellt mehrere Figuren dar, man wechselt zwischen Spiel und Erzählung.

Das wird hier auch so sein. Bei uns aber wird es den Helden als Identifikationsfigur geben. Nur ein Schauspieler spielt Josef K.: Henning Hartmann.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?