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Warum Mirja Boes kein Tatortgucken oder Taubenzüchten mag

Von Julia Marre

Hameln. Ein bisschen ist es wie „Kinderquatsch mit Michael“. Nur ohne Michael. Dafür mit schrägen Mützchen. Mit einem zerbrochenen Hula-Hoop-Reifen. Mit Anheizmelodien aus „Biene Maja“ und „Barbapapa“. Und mit Mirja Boes. „Diesmal mit Inhalt“, ruft die Komikerin in der ausverkauften Sumpfblume – und zeigt lächelnd auf ihren kugelrunden Babybauch. Anlass genug, um am Freitagabend über Sana-Krankenhäuser, über Hebammen im Saal oder kleine Schritte nach dem Applaus zu scherzen, gibt der immerhin. Aber den Inhalt im Ohne-Punkt-und-Komma-Gebrabbel der Westfälin zu finden, ist gar nicht so einfach.

veröffentlicht am 14.11.2010 um 14:33 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:21 Uhr

kultur
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Von Julia Marre

Hameln. Ein bisschen ist es wie „Kinderquatsch mit Michael“. Nur ohne Michael. Dafür mit schrägen Mützchen. Mit einem zerbrochenen Hula-Hoop-Reifen. Mit Anheizmelodien aus „Biene Maja“ und „Barbapapa“. Und mit Mirja Boes. „Diesmal mit Inhalt“, ruft die Komikerin in der ausverkauften Sumpfblume – und zeigt lächelnd auf ihren kugelrunden Babybauch. Anlass genug, um am Freitagabend über Sana-Krankenhäuser, über Hebammen im Saal oder kleine Schritte nach dem Applaus zu scherzen, gibt der immerhin. Aber den Inhalt im Ohne-Punkt-und-Komma-Gebrabbel der Westfälin zu finden, ist gar nicht so einfach.
„Nächste Woche werde ich erwachsen“ heißt ihr zweites Soloprogramm. Darin geht es um Klassentreffen. Um Umzug, Zusammenzug und Auszug. Um selbst gebastelte Geschenke. Um Schlafen und Gähnen. Um Heimwerkern. Und, oho, um Hauskauf. Wenn auch nur ein Spielzeug-Häuschen. „Glied, hihihi“ steht auf dem kakaobraunen T-Shirt der Blondine. Moment mal: Erwachsensein, geht das nicht anders…?
Mirja Boes, die im Gegensatz zu vielen ihrer Comedy-Kollegen keineswegs auf den Kopf gefallen zu sein scheint, überzeugt immer dann, wenn ihre irrwitzige Mimik Besitz von ihren Gesichtszügen ergreift. Während die zweimal mit dem deutschen Comedypreis ausgezeichnete studierte Musicaldarstellerin plaudert und quasselt und schnattert und spricht, turnt ihre Nase durchs Gesicht. Die Mundwinkel tanzen Ballett. Die Augen fahren Rhönrad. „Besser als Bauch - Beine - Po“, meint die 39-Jährige zwinkernd. Ansonsten taumelt sie inhaltlich leider seltsam unentschlossen durch „Oh-wie-süß-Hello-Kitty“-Attitüden und das groß angekündigte Erwachsensein. Ihr Programm: eine illustre Sammlung an Belanglosigkeiten. Gags aus Mario Barths unendlicher Rollenspiel-Geschichte. Kaum ein angekurbelter Witz, der nicht mit „Mein Freund sagt ja…“ beginnt. Ist das jetzt erwachsen? Auch nicht. Wenn sie nur bühnentauglich auf die Unvernunft anstoßen möchte, hätte sie das einfacher haben können.
„Erwachsensein, das ist Tatortgucken, Dauercampen, Taubenzüchten“, sagt Boes mit ihrer Bonnie-Tyler-Krächzstimme. Und setzt lieber an zur nächsten Abfragerunde: „Welche Insekten findet ihr eklig?“ ist neben „Wer ist das jüngste Kind im Saal?“ oder „Welche unnötigen Geschenke habt ihr schon gekriegt?“ nur eine der Fragen aus ihrem Comedy-Poesiebuch. Schade, denn ihr Thema hätte so viel mehr Potenzial. Richtig gute Unterhaltung? Die geht besser.

 

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