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Weniger Fördergeld fürs Landestheater? Intendant Kay Metzger: „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird

Warum ein Sparzwang in Detmold auch Hameln wehtut

Hameln/Detmold. In ihrem Bestreben, Kultur in ländliche Regionen zu bringen, überwinden sie Grenzen: die Landestheater. Vor kurzem wurden die 24 deutschen Landesbühnen vom Deutschen Bühnenverein mit dem Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet. Immerhin bespielen die sogenannten Reisetheater rund 900 Orte in Deutschland – darunter auch Hameln. Seit mittlerweile 126 Jahren kommt aus Detmold die Bühne, die am häufigsten in der Rattenfängerstadt gastiert. „Allein in der laufenden Spielzeit gibt es 15 Gastspiele der Detmolder bei uns“, sagt Dorothee Starke, Direktorin des Theaters Hameln. So oft wie kein anderes Ensemble steuert das Landestheater Detmold mit seinen Lastwagen den Hamelner Rathausplatz an. Insgesamt haben alle Landestheater im vergangenen Jahr rund 3,2 Millionen Besucher erreicht. Welches Schauspielhaus träumt nicht von solchen Zahlen?!

veröffentlicht am 28.01.2011 um 15:26 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 04:21 Uhr

Autor:

Julia Marre
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Dass es den Landestheatern in Nordrhein-Westfalen – damit auch dem Landestheater Detmold – finanziell an den Kragen gehen soll, war kürzlich Berichten verschiedener Medien zu entnehmen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der das Detmolder Drei-Sparten-Haus jährlich mit nahezu 500 000 Euro fördert, hat der Landesregierung in Düsseldorf ein Sparpaket vorgelegt. Es schließt eine Kürzung des Geldes ein, das bisher nach Detmold floss. „Mehr als 130 Vorschläge“ habe die Sparliste beinhaltet, sagt Frank Tafertshofer, der Sprecher des Landschaftsverbandes. Er räumt ein, dass damit eine „sehr starke Einschränkung bei den Landestheatern“ einhergehen könne. Eine Einschränkung, die der Landschaftsverband selbst für „nicht zulässig“ hält, weil die Kürzung die „Hauptfunktion der Landesbühnen als Reisetheater beschneiden würde“.

Besteht also die Gefahr, dass das Landestheater Detmold sein Repertoire von derzeit acht Musiktheaterstücken, zehn Schauspielen, vier Ballettprogrammen, elf kleinen Bühnenproduktionen und elf Konzertprogrammen verkleinern muss? „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“, sagt Kay Metzger, Intendant am Landestheater Detmold. Dass die 500 000 Euro des Landschaftsverbandes das Detmolder Haus auch weiterhin erreichen werden, hält Metzger für wahrscheinlich. „Ich bin zuversichtlich, weil wir unglaublich in der Fläche tätig sind“, sagt er. Neben etlichen Spielorten in Nordrhein-Westfalen gastiert das Landestheater auch in niedersächsischen Städten: neben Hameln und Bad Pyrmont auch in Wolfsburg, Wolfenbüttel und Goslar. Das Einspielergebnis, also die Einnahmen durch Eintrittsgelder, beziffert Intendant Metzger mit knapp 3 Millionen Euro. Davon nehme das Theater 1,4 bis 1,5 Millionen allein durch Gastspiele ein: „Unsere Abstecher sind ein wesentlicher finanzieller Faktor“, sagt Metzger.

Und was würde passieren, wenn das Landestheater Detmold doch 500 000 Euro weniger an Förderung erhielte? „Solche Schreckensszenarien malen wir uns noch gar nicht aus“, sagt der Intendant optimistisch und fügt hinzu: „Man hat ja so seine Informationen .“ Eine Kürzung des Geldes für Detmold hätte natürlich auch Folgen für das Theater Hameln. „Es würde uns auf jeden Fall wehtun“, sagt Dorothee Starke.

Dass gerade das Detmolder Musiktheater einen guten Stand habe und mit „sehr gehobenem Stadttheater-Niveau“ übers Land fahre, betont Detmolds Intendant Metzger indes. Ohne die Förderung in Höhe von 500 000 Euro werde das Landestheater „an der Qualität sparen müssen“, gibt er zu bedenken. „Bildung ist unser bester Bodenschatz“, sagt Metzger und ergänzt: An der Kultur zu sparen, sei immer sehr schwierig.



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