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Vieles, was die Stadt ausmacht, spielt sich im Freien und bei freiem Eintritt ab

Warum die Kulturhauptstadt Aarhus so lässig ist

AARHUS. Dieser Anblick kann dem unwissenden Spaziergänger an der Küstenpromenade von Aarhus einen Schreck einjagen: Ein Lkw-Ladekran hat gerade scheinbar einen VW Golf aus der Bucht gefischt. Aus dem weißen Wagen, der an vier Schläuchen an dem Kran hängt, läuft unaufhörlich Meerwasser. Kann das sein? Zum Glück sind Passanten hier nicht Zeugen eines Unglücks, sondern haben es mit einer Installation zweier finnischer Künstler zu tun. Sie ist Teil eines der ehrgeizigsten Projekte von Aarhus 2017, der Triennale „The Garden“. Auch dank ihr haben sich wohl die meisten der 330 000 Einwohner von Aarhus in ihre Kulturhauptstadt verliebt.

veröffentlicht am 26.06.2017 um 13:29 Uhr
aktualisiert am 26.06.2017 um 15:10 Uhr

Die dänische Hafenstadt hat sich als Kulturhauptstadt 2017 zu einem Publikumsmagnet entwickelt. Foto: Carsten Rehder/dpa

Autor:

Julia Wäschenbach

Nach einem halben Jahr seien eine Million Tickets für die unzähligen Ausstellungen, Konzerte, Theaterstücke und Co. verkauft, erzählt Kommunikationschef Bent Sørensen. „Besucher haben wir aber viel mehr gehabt“, meint er. Denn zwei von drei Events der Kulturhauptstadt sind gratis – und viele unter freiem Himmel.

Wie ein großer Teil von „The Garden“. Die Schau führt den Betrachter fast fünf Kilometer am Wasser entlang, vorbei etwa an einem abends beleuchteten ballonförmigen Pavillon der Bjarke Ingels Group und dem umstrittenen Werk einer deutschen Künstlerin. Die Düsseldorferin Katharina Grosse hat Teile eines Parks und des Wegs bis hinunter zum Wasser mit Acrylfarbe besprüht.

Der Anblick von Gras und Bäumen in Pink und Weiß hatte Tausende Aarhusianer erzürnt. „Es ist gut, dass eine Debatte entsteht“, sagt Erlend Høyersten, Direktor des Kunstmuseums Aros, das die Triennale ins Leben gerufen hat. „Viele Werke sind eine Weltpremiere“, erzählt der Norweger, der „The Garden“ das „ehrgeizigste Projekt in der Geschichte des Museums“ nennt.

„Wenn die Leute sie zum ersten Mal sehen wollen, müssen sie nach Aarhus kommen.“ Die Triennale, die das Verhältnis der Menschen zur Natur in drei Phasen („The Past“, „The Present“, „The Future“) über 400 Jahre beleuchtet, spielt sich nicht nur an der Küste, sondern auch an anderen Orten der Stadt ab - und im Museum selbst, das für sein Regenbogenpanorama auf dem Dach bekannt ist.

Es ist ein Werk des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson, der im Kulturhauptstadtjahr die Szenografie für ein Ballett nach Jonathan Safran Foers „Tree of Codes“ lieferte. Das war Ende April so beliebt, dass das Musikhaus mehrere Extra-Vorstellungen ansetzte.

„Sowohl was die Kritiken als auch die Besucherzahlen angeht, übertrifft das Jahr unsere Erwartungen“, sagt Sørensen.

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