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Die 60-Plus-Theatergruppe „Applaus, Applaus“ versucht sich an Shakespeares „Sommernachtstraum“ – Gruppensex inklusive

Vorsicht mit den Drogen

Hameln. Sie waren jung, wild und wollten die Welt verändern: Die Generation der heute über 60-Jährigen wurde geprägt in einer Zeit, in der politische, kulturelle und soziale Normen aufbrachen, in der Grenzen überschritten wurden, in der mit alternativen Lebensweisen experimentiert wurde. Dabei dachte sie an sexuelle Selbstbestimmung, an Sinneserweiterung, an Marx vielleicht. Ans Älterwerden dachten bestimmt die wenigsten von ihnen – doch wie es das Schicksal so will: Auch 68er werden mal 60.

veröffentlicht am 10.10.2014 um 17:43 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 08:54 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Es muss seltsam sein, als altersloser Hippie in einem alternden Körper zu leben. Vielleicht so seltsam wie die Aufführung von William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ der Hamelner 60-Plus-Theatergruppe „Applaus, Applaus“. Unter der Regie von Theaterpädagogin Anastasia Bost brachte die 13-köpfige Amateurtheatergruppe am Donnerstagabend nämlich eine schrille Mischung aus Schultheater und Drogenperformance auf die TAB-Bühne.

Die löste beim Zuschauer streckenweise Scham aus (wenn Joachim Wrobel als Theseus wenig textsicher und hölzern im zu knappen Dreiteiler seiner Hippolyta einen Heiratsantrag macht), streckenweise Lacher (wenn der doch stark angegraute Wolfgang Schlinkmann als Egeus zu seiner kaum jüngeren „Tochter“ Hermina, gespielt von Almuth Klus, sagt: „Sieh dich an, Kind, du bist so jung!“). Aber auch Befremden. Denn dieser „Sommernachtstraum“ ist, wie das Original, in Athen angesiedelt, aber es ist das Athen der 1960er: Die Protagonisten sind wahlweise in Hippie- oder in Beatnick-Uniform gewandet, hören und singen „Summer of Love“-Hits oder Schlager, die shakespearesche „Zauberblume“ hat eine eindeutig psychedelische Wirkung. Diese führt unter anderem zu Gruppensex zwischen der Elfenkönigin Titania und vier zu Eseln verwandelten Stammtisch-Weibern, bei dem sie einen phallusförmigen Dauerlutscher rumgehen lassen. Herrlich irre dabei: Irmela Grothe als Titania. Auch Ulrich Krause als Lysander sticht durch schauspielerisches und rhetorisches Können hervor.

Am Ende verlässt man das TAB dann doch erheiterter, als zu Beginn befürchtet. Möglicherweise sind bei „Applaus, Applaus“ nicht mehr alle Zähne echt; der Schnaps und die Drogen waren es womöglich. Und das Zeug war gut.

„Ein Sommernachtstraum“ wird noch einmal aufgeführt, heute um 20 Uhr im TAB.



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