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Johann Strauß Sohn mit „Eine Nacht in Venedig“ als Weihnachtsschmankerl

Von wegen: carne vale!

Hameln. Zugegeben: es gibt bessere Libretti – allerdings: auch schlechtere. Sehr viel schlechtere. Abgesehen davon – was ist schon eine literarische Vorlage gegen diese Musik, die Johann Strauß Filius da aus dem „Graben“ zaubert. Schwungvolle Leichtigkeit und eine karnevaleske Stimmung, die immer auch die Gegend unterhalb des Nabels meint.

veröffentlicht am 27.12.2013 um 12:53 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:21 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Was für ein Melodienreichtum und Stimmungszauber. Und allemal Basis für einen ebenso unbeschwert unterhaltsamen wie beschwingten Abend. Genau das Richtige nach zu viel Gans, Fett und viel zu viel Süßem und manchmal auch zu viel Familie. Das Theater für Niedersachsen (TfN), am zweiten Weihnachtstag aus Hildesheim angereist, spielt perfekt mit. Hat sich nach Entwürfen von Karin Fritz ein hübsches Bühnenbild bauen lassen mit zwei portalgroßen Bilderrahmen in Gold, die als Rudimente auch die Rampe begrenzen. Rahmen für Bilder.

So beginnt – nach der Ouvertüre, auf die auch ein Rossini hätte stolz sein können – das Stück mit einem Bild im Bild wie ein Schattenriss und Figuren der Commedia dell’Arte mit Pantalone, Pierrot und dem ewigen Buffo-Paar Harlekin und Kolumbine. Bezaubernd auch die Eulen-Choreografie (Natascha Flindt), die Gondeln, die im Hintergrund vorbeiziehen und die liebevoll arrangierten Ensembles.

Vor allem aber: Barbara (Julia Riemer), Annina (Antonia Radneva) und ganz besonders Luise Hansen als hinreißende Ciboletta. Eine Augenweide alle drei. Annina, ein Fischermädchen und Ciboletta, Barbaras Zofe, die beide für den Herzog als „Barbara“ herhalten müssen. Und alle drei bildhübsch und betörende Sängerinnen. Und die Ciboletta eine Komödiantin reinsten Wassers – da stimmt einfach alles. Wie nebenbei: ganz große Schauspielkunst.

Fast ebenbürtig auch das verliebte – egal, in wen oder was, Hauptsache entflammte – Männertrio mit dem Genießer-Herzog Christian S. Malchow, seinem Figaro Caramello (Konstantinos Klironomos) und dem Makkaronikoch Pappacoda alias Jan Kristof Schliep. Und der traumhaft schöne Lagunen-Walzer „Ach, wie so herrlich zu schaun...“, was sich ideal auf „Fraun“ reimt – bei ihnen nicht nur stimmlich in besten tenoralen Höhen. Und auch das Senatoren-Trio um Delaqua (Uwe Tobias Hieronimi) – mit seiner verzweifelten Suche nach „Barbara“ und damit nichts weniger als ein Publikumsliebling – mit Piet Bruninx als Barbaruccio und Dirk Flindt als Testaccio eindeutig blendend besetzt.

Unter der Leitung von Daniel Stratievsky dürfen auch Chor und das Orchester des TfN glänzen – und was das Publikum wohl besonders gefreut hat: tolle Kostüme und eine Regie (Wolfgang Quetes), die auf Modernismen verzichtet und das Alte alt und doch ganz modern inszeniert. Das geht – auch Ende 2013. Quod erat demonstrandum. Was zu beweisen war.

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