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Melancholie auf Leinwand: Thomas Dillmann zeigt in der VGH-Galerie seine Ausstellung „Transire“ mit ausgebluteten Bildern

Von ihm gemalte Urlaubsorte wirken abweisend wie der Mond

Hannover. Thomas Dillmann ist ein ausgezeichneter Maler. Aber auch ausgezeichnete Maler müssen nicht omnipräsent sein. In den vergangenen Jahren jedenfalls gab es keine Herbstausstellung ohne ein Werk des 1958 in Limburg an der Lahn geborenen und in Hannover lebenden Künstlers. Dillmann war im Kubus, in der Zufallsgalerie und im Treppenhaus zu sehen und in nahezu jedem kleineren und größeren Kunstverein in Niedersachsen. In diesem Jahr hatte er Ausstellungen in Springe und Hildesheim. Nun hat ihm sein umtriebiger und für die VGH „beratend“ tätiger Galerist Robert Drees, der ihn regelmäßig zeigt, eine Ausstellung in dem Unternehmen verschafft, das Dillmann bereits durch Ankäufe für seine Kunstsammlung geehrt hat.

veröffentlicht am 23.07.2012 um 17:05 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:41 Uhr

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Autor:

Michael Stoeber
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In Anbetracht so häufiger Präsentationen ist es kein Wunder, dass am Schiffgraben auch Werke des Malers hängen, die man andernorts bereits gesehen hat. Dillmann ist kein Künstler, der wie am Fließband produziert. Obwohl er enorm fleißig ist, lässt seine lasierende Feinmalerei keine Schnellschüsse zu. Die Bilder brauchen Zeit.

Beim Blick auf die Gemälde aus den vergangenen Jahren wird deutlich, dass vermehrt Farbe auf Dillmanns Leinwände gewandert ist. Dennoch bleiben seine Ansichten von Landschaften und Städten menschenleer und verlassen. Selbst wenn der Künstler Bilder von Feriendestinationen malt, haben sie nichts Idyllisches. Sie wirken kalt und abweisend wie der Mond. Selten hat man die „Weser“ (2011) so grau und freudlos gesehen wie im Werk von Thomas Dillmann. Wenn man denn einen Grund finden möchte, um sich sonnigen Gegenden auf der Welt zuzuwenden, reicht es aus, auf dieses Bild zu schauen.

Auch der Süden verändert die Optik des Künstlers nicht. Über all seinen Bildern liegt dick der Mehltau der Melancholie. Der Generalbass seiner Gemälde ist ein lähmendes Grau in allen möglichen Abstufungen. In „Coca Cola (Inca)“ taucht neben einer mallorquinischen Straße eine Werbetafel auf, die für die braune Brause Reklame macht. Doch ihr Rot sieht aus, als habe es alle Kraft verloren.

Dillmann, der in augentäuschender Weise nach Fotos malt, lässt doch nie einen Zweifel daran, dass es sich bei den wie ausgeblutet wirkenden Farben seiner Bilder und ihrer porentiefen Präzision um Malerei handelt. Wo Gerhard Richters Gemälde durch ihre Unschärfe an Fotografie denken lassen, erinnern Dillmanns Bildern durch ihre Tiefenschärfe an sie.

Das Hin und Her der Eindrücke zwischen Malerei und Fotografie hat auch den lateinischen Titel der VGH-Ausstellung motiviert: „Transire“ im Sinne von „hinüberwechseln“. Ein Eindruck bleibt auf allen Bildern gleich: der einer überwältigenden Einsamkeit.

Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 12. Oktober in der VGH-Galerie, Schiffgraben 4, Hannover: montags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.



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