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Steffen Martus’ Biografie der Brüder Grimm

Von Bruderliebe und Büchersucht

Hameln. Sie waren weder lupenreine Demokraten noch bloße Märchensammler. Die Begründer der Germanistik, die „brüderliche Forschungs- und Lebensgemeinschaft“ Jakob und Wilhelm Grimm standen im Mittelpunkt einer Matinee der Hamelner Bibliotheksgesellschaft, in der der in Göttingen lebende Kieler Germanist und Medienwissenschaftler Professor Steffen Martus seine neue Biografie des Brüderpaars vorstellte.

veröffentlicht am 19.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 18:21 Uhr

Die „Brüderlichkeit“ der Grimms sei auch ein politis

Autor:

Ernst August Wolf
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Martus räumte dabei mit einigen Klischees auf und zeichnete anhand von Dokumenten das Leben, Werk und Wirken eines der bedeutendsten Brüderpaare der deutschen Wissenschaftsgeschichte nach.

„Wir wollen uns einmal nie trennen“

Die Verfasser der deutschen Grammatik und des deutschen Wörterbuches wurden geprägt durch einen frühen Vaterverlust und die fundamentalen politischen Erschütterungen der Französischen Revolution; Erfahrungen, die ihr Leben nachhaltig beeinflussen sollten. Waren andere „von der politischen Morgenröte“ begeistert, suchten die Grimms Zuflucht in der Vergangenheit – und in Büchern. Der stille, ständig kränkelnde Wilhelm und der dynamischere Jakob, ein Leben lang aufeinander angewiesen durch die „innere Einigkeit der Gegensätze“.

„…denn Wilhelm, wir wollen uns einmal nie trennen“, zitiert Martus den berühmten Satz aus einem Brief Jakobs. Einer muss – eher aus haushaltstechnischen Gründen à la Schneewittchen und die sieben Zwerge – heiraten, doch die Brüder bleiben unzertrennlich. Martus schildert Stationen des mühsamen, an Rückschlägen reichen Aufstiegs der Brüder zu Wissenschaftsstars, rückt ihre vielfältigen Aktivitäten, aber auch Widersprüchlichkeiten ins Blickfeld. Da finden die scharf antifranzösischen Äußerungen Jakobs ebenso Erwähnung wie die latente Angst der Brüder vor Ordnungsverlust und Haltlosigkeit, da erweisen sich die Grimms als ausgebuffte Vermarktungsprofis. „Allenfalls Anhänger einer konstitutionellen Monarchie“ wollten sie aber den regierenden Monarchen klarmachen, dass „ohne Rücksicht auf Volk und Geschichte“ auf Dauer keine erfolgreiche Herrschaft möglich sei.

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