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Glänzende Aufführung von Georg Schumanns Oratorium „Ruth“

Von Begeisterung und Perfektion getragen

HAMELN. Eine eindrucksvolle Aufführung von Schumanns Oratorium „Ruth“ wurde den Besuchern in der Marktkirche in Hameln zuteil.

veröffentlicht am 06.11.2016 um 18:31 Uhr

Aufwändige Aufführung: Schumanns Oratorium „Ruth“. Foto: Dana
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Autor

Karla Langehein Reporterin
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Auch siebzig Jahre nach dem Ende der braunen Jahre hält die Lust am Ausgraben seinerzeit diffamierter oder schlicht vergessener Kunstschätze ungebrochen an. Ob solchen Wiederentdeckungen dauerhafte Beachtung beschieden sein wird, bleibt allerdings offen – selbst dann, wenn ihre Aufführung von so viel Begeisterung und Perfektion getragen wird wie am Wochenende in Hamelns Marktkirche, als Georg Schumanns Oratorium „Ruth“ seine erst zweite Aufführung nach Kriegsende erlebte.

Der Aufwand einer Aufführung des gut zweistündigen Werkes ist groß – und riesig der Anspruch an die Choristen, an die Solisten, das Orchester und den Dirigenten. Nach geschätzt halbjähriger Einstudierungsphase präsentierte nun die Hamelner Kantorei im Verbund mit der Jugendkantorei und dem „göttinger vokalensemble“ eine phantastische Wiedergabe der mit allen denkbaren Schwierigkeiten und Ansprüchen an Intonation, Rhythmus- wie Taktsicherheit und Aussprache gespickten Chorsätze: schlichtweg überragend.

Das trifft auch auf die Interpretation der die Geschichte tragenden beiden Frauenrollen zu. Die Stimme der georgischen Mezzosopranistin Kathuna Mikaberidze vereint in sich alle Spielarten des mütterlich Weichen, des Ängstlichen wie auch des Forschen: eine Naemi zum Mitleiden und Mitfühlen. Kathuna Mikaberidze war nun zum ersten, aber hoffentlich nicht einzigen Mal in Hameln zu hören. Auch Brian Davis kam zum ersten Mal nach Hameln. Er beeindruckte in der Gestaltung der nur kurzen, relativ tiefliegenden und überdies stark orchestrierten Boas-Partie mit seiner durchsetzungsfähigen schönen Stimme. In der zweiten Männerrolle, der des namenlosen (Fern-)Priesters, blieb Steffen Henning dem Wunsch Schumanns entsprechend hinter dem Chor unsichtbar und sehr leise. Umso sichtbarer und in jedem Augenblick mit alles überragender Präsenz sang Susanna Pütters die Titelpartie. Als Herr über alle Stimmen – auch über die der in gewohnt hoher Qualität spielenden Nordwestdeutschen Philharmonie – stand Kreiskantor Stefan Vanselow in kaum erkennbarer Hochspannung als scheinbar ruhiger Pol im akustischen Getümmel. Führte mit präzise gegebenen Einsätzen die überbordende und stellenweise en detail kaum noch durchhörbare Klangmenge und deren Dynamik. Am Ende stand begeisterter Beifall für die insgesamt großartige Aufführung, der auch die Enkelin des Komponisten beiwohnte.



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