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Patricia Kopatchinskaja und Fazil Say bei Pro Musica

Von Beethoven bis Beethoven

Hannover. „Konzerte mit Fazil Say sind andere Konzerte.“ So steht es im Programmheft. Und wer Patricia Kopatchinskaja schon erlebte, weiß, dass sie nicht nur eine großartige Geigerin, sondern auch eine ebensolche Komikerin ist. Nun also diese beiden (seit langem ein Duo) bei Pro Musica im Großen Sendesaal – und als erster Programmpunkt Beethovens überhaupt nicht witzige Kreutzersonate. Sie erklang tatsächlich neu und anders. Mit extremen Gegensätzen in Dynamik und Tempo. Mit fast ständiger Dominanz von Fazil Say, die er mit dirigierender Gestik via Kopatchinskaja noch unterstrich. Sie nutzte die ihr bleibenden Freiräume wie das dolce-Thema des ersten Prestos oder das Thema und die letzte Variation des Mittelsatzes mit Geschick und jenem schönen Ton, der sonst über weite Strecken vermisst wurde. Da konnte vielleicht der Spruch einer bekannten Talkerin trösten, der da lautet: „Bleiben Sie heiter, irgendwie.“ Darüber nachzudenken, ob Beethoven mit dieser „anderen“ Lesart seines berühmten Werks einverstanden gewesen wäre, erübrigt sich wohl.

veröffentlicht am 13.03.2012 um 15:27 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 13:41 Uhr

Autor:

Karla Langehein
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Bezogen auf die beiden Interpreten und ihre Freude an mimischer und gestischer Unterstreichung der Musik, war der zweite Konzertabschnitt wesentlich authentischer. Fazil Says Opus 7, eine Sonate für Violine und Klavier, vereint Idiome aus der türkischen Musik mit jazzartigen und anderen Elementen, wobei die Verarbeitung der allen fünf Sätzen jeweils vorstehenden Themen entfernt an die Technik von Eric Satie erinnert. Ganz in ihrem Element waren die beiden Interpreten auch bei Bartóks Rumänischen Volkstänzen – mit Verve und Charme gespielt.

Zehn Jahre vor seinem Ableben vollendete Maurice Ravel seine einzige Sonate für Violine und Klavier. Sie wird von einem typisch impressionistischen Thema eröffnet, das den ersten Satz der im Übrigen expressionistischen Komposition beherrscht. In ihrer Mitte steht ein Blues, und das Ende markiert das schnelle Perpetuum. Ein schwieriges Stück, das seinen Interpreten ein hohes Maß an Balance zwischen den verschiedenen Stilrichtungen abverlangt. Das Duo Kopatchinskaja-Say erreichte den Spagat in ausdrucksstarkem Zusammenspiel. Viele Bravos und langer Beifall zu Recht – und zwei vergnügliche Zugaben: Kopatchinskaja, ganz in ihrem Element, mit einem Solo für Sprache und Violine – Hund und Katze? – von Jorge Sanchez Chiong und schließlich Fazil Say mit der eigenen Jazzvariante von „An Elise“. So reichte das Programm von Beethoven bis Beethoven – und am Ende hätte wohl auch er seinen Spaß gehabt.



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