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Gisela Gührs „Die Farbe Weiß“ in der Galerie der Hamelner Künstlergruppe

Von Assoziationen zu Assoziationen

Hameln. Weiß, das weiß man schließlich, ist gar keine Farbe – auch wenn es in der Galerie arche „Die Farbe Weiß“ heißt. Denn weiß ist natürlich nicht nur weiß, verfügt als Knitterweiß über reizvolle Schattierungen und kann, leicht getönt, noch als Farbe der Reinheit und Unschuld gelten oder als Waschmittelreklame zum Weißesten gesteigert werden –, auch wenn es das ebenfalls nicht gibt.

veröffentlicht am 13.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:21 Uhr

Gisela Gührs mit ihrer Installation „Buchenwald“.  F

Autor:

Richard Peter
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In jedem Fall ein Glücksfall, dass die arche erst kürzlich geweißelt wurde und damit den idealen Rahmen abgibt für Gisela Gührs „Die Farbe Weiß“ mit reizvollen Installationen, raffinierten Arrangements und zwischen der neuen Farb-Abstinenz auch einige Objekte aus längst vergangenen Jahren an den Wänden. Wiedersehensfreude pur und die Erkenntnis, dass es die Nichtfarbe Gisela Gührs schon früher angetan hat. Und arche-Chefin Annemarie Hodges erinnert, dass die Künstlerin der Künstlergruppe seit 26 Jahren treu geblieben ist und feststellen konnte: „Die ganze Fangemeinde ist da.“ Und die füllte die Galerie bis zur Galerie mit der bravourösen „Einladung zum Dessert“, einer langen Tafel mit aus Papier geformten, halben Flaschen an der Wand, penibel gefalteten Servietten und Besteck, das davon zeugt, wie weit Gisela Gührs mittlerweile bereit ist, zu abstrahieren.

Bei aller stilistischen Meisterschaft, dem sicheren Gespür für die Themen, die sie beackert – vielmehr aus Papier gestaltet, formt, verformt, arrangiert: Die Ausstellung ist neben allem Solistischen eine Art Gesamtkunstwerk mit der Klammer Weiß und vielen kleinen Inseln mit Installationen, mit denen sie den arche-Raum belebt, selbst zum Kunstwerk macht.

Was besonders ins Auge springt: Steine aus Papier, wie Ziegel, sieben mal drei an der Zahl, die so einzigartig strukturiert sind und durch Papier verfremdet. Oder „Halali“, zwei Hirschkopf-Trophäen in Weiß oder die voluminöse Material-Collage „Der weiße Fluss“ aus 20 mal zehn Din-A-4-Blättern, die leicht bläulich-gelb mit grünen Schlieren für Irritation von Weiß in Weiß sorgen.

Überraschten: „Die Gassenhauer“ mit Christian Wolf u
  • Überraschten: „Die Gassenhauer“ mit Christian Wolf und Margit Runde. Foto: Hoppe

Zwei Stühle in einer der signifikanten Bogennischen mit namensbeschrifteten Zuckerln – und oben im Turm sieben Hemden auf Drahtbügeln über Steinen: „Buchenwald“.

Dr. Andreas Hoppe, Bruder der diesjährigen Rattenfänger-Literatur-Preisträgerin Felicitas Hoppe und seit drei Jahrzehnten mit Gisela Gührs verbunden, wie er sagte, betonte die selbstbewusste Provokation der Künstlerin wie „die künstlerische Arbeit“. Gisela Gührs, so Hoppe, habe im Raum der arche einen Denkraum entstehen lassen. Eine Assoziationssammlung und eine Träumesammlung und formulierte: „Wir sind Gäste in Gisela Gührs Garten der Erinnerungen.“ Fast überflüssig zu bemerken, dass es an diesem Abend nur Weißwein gab und ein Buffet in Weiß mit Weißbrot, weißem Käse und weißen Dips.

Und dann wurde es doch noch richtig bunt mit dem Duo „Gassenhauer“, das, a cappella, die letzte Papageno-Arie im Duett sang und dann mit Klampfe fragte, warum der Sigismund aus der Rössl-Operette so schön ist, bevor Dr. Susanne Gührs, Schwiegertochter der Künstlerin, mit einem selbst verfassten Gedicht, ganz im Stil eines Wilhelm Busch, für Furore sorgte – nicht zuletzt, weil sie es höchst professionell vortrug. Dann wieder die Gassenhauer. Und als letzte Eintragung im Gästebuch: „Die Ausstellung war Super-Weiß.“

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