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Die Salzburger Chamber Soloists spielen zum Auftakt der Dewezet Classics Vivaldi und Piazzolla

Vier Jahrszeiten, zwei Erdteile

Hameln. Als die jungen und vorwiegend weiblichen Salzburger am Mittwochabend das Podium im Hamelner Theater betraten, hätte man meinen können, es sei das Mädchenorchester des Ospedale della Pièta – jenes venezianischen kirchlich geführten Internats für unehelich geborene Mädchen, in dem Vivaldi als Geigenlehrer und Dirigent wirkte. Aber nein. Es war wirklich das Salzburg Chamber Orchestra unter der Leitung von Lavard Skou-Larsen, der im Mozarteum seit 1991 als Professor die Fächer Violine und Streicherschule unterrichtet und die Salzburg Chamber Soloists gründete.

veröffentlicht am 23.10.2014 um 18:44 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 15:21 Uhr

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Autor:

Karla Langehein
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Der gute Besuch des Konzerts signalisierte wieder einmal, dass das Wörtchen „Salzburg“ im Titel noch immer Magnetkraft hat. Auch wenn anstelle von Mozart andere Komponisten zu Wort kommen. Vivaldi zum Beispiel, der große Barockmeister. Oder Piazzolla, der Schöpfer des Tango Nuevo. Beide machten sie die „Vier Jahreszeiten“ zu ihrem Thema. Und so verschieden die Erdteile und deren klimatische Verhältnisse, so unterschiedlich fallen auch die musikalischen Beschreibungen aus. Gidon Kremer arbeitete in den 1990er Jahren die Kontraste heraus und schuf unter dem Titel „The eight Seasons“ ein reizvolles Neben- und Gegeneinander, das sich auf internationalem Parkett einer gewissen Popularität erfreut.

Wer Ähnliches erwartete, musste umdenken. Wenn auch unter derselben Überschrift wie Kremer, gehen die Salzburger ihren ganz eigenen Weg. Ohne Anpassung an barockes Instrumentarium spielen sie einen in jeder Hinsicht eigenwilligen, teils mit allzu manierierten Effekten versehenen barockfernen Vivaldi. Das mag dem einen gefallen – und andere ratlos zurücklassen. In jedem Fall wird damit die Sinnfälligkeit der Gegenüberstellung zweier Epochen und Welten unter einer gemeinsamen Überschrift weitgehend eliminiert.

Dafür brachte der zweite Teil des Abends mit Astor Piazzollas „Cuatro estaciones porteñas“ reines Hörvergnügen. Er schrieb sie in den Jahren 1965, 1969 und 1970 seinem berühmten Quintett mit der Besetzung Bandoneon, Violine, Gitarre, Kontrabass und Piano auf den Leib.

Unter der Leitung von Lavard Skou-Larsen (li.) spielen die Salzburg Chamber Soloists einen in jeder Hinsicht eigenwilligen, barockfernen Vivaldi – und Astor Piazzollas „Cuatro estaciones porteñas“ in Perfektion.

Nun erklangen sie zwar ohne Bandoneon, aber mit Piano in einer Fassung, die dem Originalsatz erfreulich nahekommt. Leider verschwieg das Programm seinen Verfasser ebenso wie den Namen der vorzüglichen Pianistin. Zu hören war eine perfekte Aufführung, in der sich sichtliche Spielfreude mit einer Akkuratesse verband, in der sich all das wiederfand, was Piazzolla meinte, wenn er in einem Interview seine Kompositionen als „zehn Prozent purer Tango und 90 Prozent zeitgenössische Musik“ beschrieb. Geschlossene Begeisterung im Saal und langer Beifall. Und dann eine Zugabe, die alle Hörer endgültig aus dem Häuschen brachte: „Der brasilianische Rattenfänger“. Ein wohl wirklich brasilianisches Orchestermitglied – er wirkte zuvor als Geiger mit – griff zum Tamburin und zauberte ein virtuoses Feuerwerk feinster rhythmischer Art. Tosender Beifall!

Und noch eine Zugabe, zum Abschied vom Orchester nachgereicht: Piazzollas „Bordel 1900“, der erste Satz der Suite „L’Histoire du Tango“. Ein schöner Abend!



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