weather-image
13°

1600 Besucher verfolgen ein launig moderiertes Orange-Blossom-Special in Beverungen

Vielfältige Musik in familiärer Atmosphäre

Beverungen. Es ist das etwas andere Festival, zu dem die Mailorder- und Plattenfirma Glitterhouse bereits im 13. Jahr nicht nur die Fans von Americana-Musik in ihren Garten nahe dem Weserufer Beverungens einlädt. Kostenfreies Zelten am Wasser, Warm-up- und After-Show-Partys im Stadtkrug, Versteigerung eines von allen auftretenden Künstlern signierten Bildes für einen guten Zweck, Stadtführung, moderate Verpflegungspreise, ein kleiner Markt mit vielen Tonträger-Schnäppchen, Kinderspielplatz, lauschige Ecken unter schattigen Bäumen, Musiker, die nicht gleich wieder verschwinden, sondern den Kollegen lauschen oder mit dem Publikum plaudern. Wenn dann auch noch das Wetter stimmt, fehlt lediglich ein ansprechendes Musikprogramm.

veröffentlicht am 02.06.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 02:41 Uhr

Bieten ein Kontrastprogramm zu Americana: The Fabulous Penetrato

Autor:

Martin Jedicke
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Rembert Stiewe und seine über 70 Helfer stehen nicht nur für eine perfekte Organisation, sie offenbaren wiederum ein Näschen für bis dato völlig unbekannte Künstler. So erinnern die westfälischen Black Rust an den Kritiker-Liebling Ryan Adams und haben eine Vielzahl von Streich-, Zupf-, Schlag- und Tasteninstrumenten im Gepäck. Weitere Entdeckungen: Baby Universal klingen, als singe Jim Morrison mit den Bad Seeds, inklusive Rockstarposen. The Miserable Rich: Geige, Cello, Standbass und eine Stimme, die magisch über dem sonnigen Garten schwebt. I Am Kloot, ebenfalls aus England, schreiben wundervolle Songs, die live rockiger dargeboten werden.

Galoppierender Banjo-Sound

Reichlich vertreten ist die Skandinavien-Fraktion. Kristofer Ragnstam bietet Pop mit Ecken und Kanten, Namensvetter Aström rockt, die drei Schwedinnen von Baskery mischen den galoppierenden Banjo-Sound von 16 Horsepower mit dem dreistimmigen Gesang von Hazeldine zu einer souveränen Show. Da wird mutig gegen die Boy Division angespielt, die ihren mobilen Trashrock im hinteren Teil des Gartens zelebrieren und nicht bemerken, dass die Umbaupause vorbei ist. Bereits am ersten Festivaltag überzeugen Benedicte Braenden, die in der Sumpfblume bereits für Tito & Tarantula anheizten, mit beherztem Countryrock und selbstironisch überkandideltem Look, während Washingtons elegisches Breitwandpanorama in ruhigen Momenten unter Soundproblemen leidet, die aber durch einen überraschend rockigen Vortrag meist überlagert werden. Aus den USA kommt die leicht verhuschte Folkdame Marissa Nadlers mit glasklarer Stimme, während Maria Taylor, früher die eine Hälfte von Azure Ray, für poppigeres Liedgut steht. Grandios der Americana-Rock der Band of Heathens, die mit ihren drei gleichwertigen Sängern so groß wie die Eagles werden müssten – wäre das Leben gerecht. Den Samstagabend beschließt Chris Eckman, der in unterschiedlichen Formationen, darunter den Walkabouts, bereits zum sechsten Mal auf der Bühne steht und mit einem vierköpfigen Frauenchor herrliche Arrangements älterer und neuer Songs spielt, inzwischen deutlich variabler singt und mit einer beseelten Version von Neil Youngs „Cortez The Killer“ den Samstag beendet.

Rockabilly-Punk mit Gorillakostüm

Den sonntäglichen Schlusspunkt setzen Get Well Soon. Mit ihren ausgeklügelten Songs vor zwei Jahren auf diesem Festival entdeckt, fand sich letztes Jahr ihr Debütalbum in fast allen Jahresbestlisten. Dass hingegen eine so schräge Rockabilly-Punk-Truppe wie die Fabulous Penetrators mit künstlichen Riesenwimpern, Gorillakostüm und Bananenwurf auftreten, zeugt von Abwechslung und Vielfalt des von den Firmenchefs Reinhard Holstein und Rembert Stiewe bewährt launig moderierten Programms, aber auch von der Toleranz und Offenheit des Veranstalters und der 1600 Besucher.

Mit mutigem Erscheinungsbild: Benedicte Braenden aus Norwegen


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt