weather-image
29°
Erstes Konzert mit Osnabrücker Symphonieorchester / Begeisterung und Skepsis für Zimmermanns Trompetenkonzert

Viel Glanz bei Dewezet Classics

HAMELN. Das erste Hamelner Konzert nach der Theaterpause wartete mit einer Reihe von Besonderheiten auf. Wieder einmal gastierte das Osnabrücker Symphonieorchester, diesmal unter der Leitung seines Generalmusikdirektors Andreas Hotz. Mit ihm erlebten wir einen jungen, im besten Sinne „sportlichen“ Dirigenten, dessen bis an Grenzen führenden körperlichen Einsatz man nur bewundern kann. Ein solches Feuer muß sich ja inspirierend auf das Orchester übertragen.

veröffentlicht am 07.02.2018 um 18:27 Uhr

Der 23-jährige Meisterschüler Simon Höfele, der für den erkrankten Trompeter Reinhold Friedrich beauftragt wurde, zeigte sich als wahrhaft begnadeter Könner, er ist absoluter Beherrscher seines Instruments, der alle Spielmöglichkeiten der Trompete au
Holländer1

Autor

Ernst-Wilhelm Holländer Reporter

Es loderte schon in der eingangs gespielten dritten „Fidelio“-Ouvertüre, opus 72a, von Ludwig van Beethoven, die auch als Konzertstück häufig zu hören ist und gern in der Oper vor dem Schlussbild eingefügt wird. Die Osnabrücker musizierten sie sonor und feinfühlig im langsamen Teil, dann aber, nach dem von ferne zugespielten Trompetensignal, mit viel Glanz und Verve, vom Dirigenten geradezu mitgerissen.

Im Mittelpunkt stand danach ein Werk, das bei vielen helle Begeisterung auslöste, aber auch mit Skepsis bedacht wurde und zu Diskussionen führte: das Trompetenkonzert in C von Bernd Alois Zimmermann, mit dem vielsagenden Titel „Nobody knows the trouble I see“.

Zimmermann zählte zu den führenden Komponisten der zeitgenössischen Musik; ein herausragendes Werk ist die Oper „Die Soldaten“, die übrigens 1989 auch in Hannover mit riesigem personellen Aufwand erklang. Neuerdings wird oft das 1954 entstandene Trompetenkonzert aufgeführt, vielfach meisterhaft interpretiert vom weithin renommierten Trompeter Reinhold Friedrich, der auch in Hameln als Solist vorgesehen war. Aber er liegt im Krankenhaus und beauftragte kurzfristig seinen Meisterschüler Simon Höfele mit der Übernahme des Soloparts.

Der 23-Jährige zeigte sich nun als wahrhaft begnadeter Könner, er ist absoluter Beherrscher seines Instruments, der alle Spielmöglichkeiten der Trompete auszuschöpfen weiß, teilweise mit verschiedenen Dämpfern (hier werden Jazzklänge hörbar) mit waghalsiger „Flatterzunge“ und gewaltigen Intervallen. Welche Klänge kann man doch auf diesem Instrument hervorbringen! In einem so komplexen Zierat konnten übrigens nur Kenner den namengebenden Gospelsong heraushören.

Auch dem Orchester sind schwierigste Aufgaben in allen Gruppen zugeteilt, in reicher Besetzung hörte (und sah) man ein vielfältiges Bläserkorps, Harfe, Schlagwerk, selbst Kontrabässe wurden zu Schlaginstrumenten. All das bewältigte man hochwertig unter sicherer Führung eines kundigen, aufmerksamen Dirigenten. Nach diesem künstlerischen Höhenflug gab es helle Begeisterung und „Bravo“-Rufe. Allerdings nicht bei allen!

Verdiente Labsal geboten wurde allen danach mit Beethovens erster Sinfonie in C-Dur, Opus 21, aus den Jahren 1799/1800. Es ist ein Werk, das an die Vorbilder Mozart und Haydn erinnert, aber schon deutlich die Handschrift des Meisters zeigt. So sind die einzelnen Sätze, vor allem das Andante, eine wahre Lehrstunde der Orchesterbehandlung, Beethoven verstand sich meisterlich auf die Instrumentierung.

Und die Künstlermannschaft aus Osnabrück modellierte und zelebrierte diese klangliche Farbenpracht mit spürbarer Freude – und natürlich in hoher Qualität. Da war ein Theaterorchester im Konzerteinsatz tätig.

Es wurde anhaltend, sogar rhythmisch, applaudiert. Aber eine Zugabe gab es nicht. Vielleicht kommen die Osnabücker ja bald wieder …

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare