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„King Charles III.“ in Hameln

Very british – das Königsdrama von der Insel

HAMELN. Very british, diese Future History, in der ein ewiger Prinz mit seinem Beharren auf den Thron schließlich doch noch eine „ewige“ Königin beerbt. Als Charles III. Ein Stück, vermutlich nur in Great Britain so zu schreiben, in der Elizabeth II. noch immer erfolgreich regiert und Prinz Charles erfolglos wartet.

veröffentlicht am 16.04.2018 um 18:25 Uhr

Hat es nicht leicht: King Charles III. Foto: pr/M.Menke
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Richard Peter Reporter
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Die Königin ist tot – es lebe der König, wie es 2014 im Londoner Westen fiktiv vorgeführt und von der Queen vermutlich nicht gesehen wurde. Wer geht schon gern zu seiner eigenen Beerdigung.

Immerhin: Mike Bartlett hat sich keinen billigen Joke geleistet, keine Comedy-Nummer. Dafür nichts weniger als ein Königsdrama gedichtet. Ein absurdes Stück, modern auch – und sicher nur ein sehr kleiner Shakespeare, daran ändern auch der Blankvers nichts und die immer wieder eingesetzten Schlussreime als Abgangspointe. Was das Stück mit der Bremer Shakespeare Company im Hamelner Theater dennoch sehenswert machte: Peter Lüchinger, der Charles als gleichermaßen sympathische wie ernsthafte Figur verkörpert. Am Ziel seiner Wünsche, endlich auf dem Thron. Ein Nachdenklicher, ein Grübler – und fast ein bisschen überraschend: ein Rebell, der einer parlamentarischen Vorlage, in der die Rechte der Presse eingeschränkt werden sollen, die Unterschrift verweigert. Ein kleines Erdbeben in einem Land, in dem die Monarchie vor allem repräsentiert – Politik aber als Formsache sanktioniert, wie die Queen, Jahr für Jahr, mit der Krone auf den königlichen Dauerwellen, die Regierungserklärung vorlesen darf, an der sie nicht mitgeschrieben hat. Dieser Charles besitzt Charakter – wenn auch ohne wirkliche Macht.

Was passiert, wenn er – was er darf und auch macht – das Parlament auflöst? Das sich nicht auflösen will, sich einen neuen König sucht. William, der von Kate instrumentalisiert wird. Wer immer dachte, Camilla sei die Ehrgeizige, findet hier in Kate die treibende Kraft. Schon erstaunlich, weil Camilla nur sehr bedingt ankommt beim Volk und Kate der absolute Star in der Pressegunst ist. Egal, was sie macht, modisch trägt: Kate ist Sympathieträgerin der Monarchie wie zuvor nur Diana, die in diesem Stück ziemlich verloren herumgeistert. Und Harry funktioniert. Jess, aktuelle Favoritin des Prinzen, ist ausgeladen bei der Krönung und auch sonst abgeschrieben.

Neben Lüchinger als Charles III. auch noch überzeugend als Paul, der Mann mit der Döner-Bude, Erik Rossbander als selbstbewusster Premier und Michael Meyer als Oppositionsführer zwischen serviler Anbiederung und komischer Figur. William (Markus Seuss) – ein schwacher Abklatsch vom Stamme des Macbeth – und Kate (Petra-Janina Schultz) eher unsympathisch berechnend gezeichnet als Miniatur-Lady und wenig glaubhaft als Frauenrechtlerin angesichts einer Queen und den Premierministerinnen Thatcher und, nicht ganz so eisern, die aktuelle Besetzung mit May.

Tim Lee als Außenseiter Harry, auch ohne Rotschopf und mit sich selbst beschäftigt, und Theresa Rose als Jess. Eher schwach: Svea Auerbach als Camilla – wofür sie nichts kann. Und alle auch in vielen kleinen Nebenrollen, auch Tobias Dürr – fast schon ein Markenzeichen des Ensembles, das sich gerne unters Publikum als Volk mischt und in der Pause demonstriert, dass es zu allem und jedem mindestens zwei Meinungen gibt.

Stefan Otteni hat sich für seine beachtliche Inszenierung von Peter Scior eine multifunktionale Bühne bauen lassen, was reizvolle Bilder provoziert. Zu hoffen, dass uns die Queen noch etwas erhalten bleibt. Die Welt braucht nicht noch mehr Baustellen.

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