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Pianistin Cora Irsen setzt sich für Marie Jaëll, eine „charmante Unbekannte“, ein

Versuch einer Ehrenrettung

HAMELN. Eigentlich war das keine „Serenade“. Was ein leider nur kleiner Kreis von Musikliebhabern im „Haus der Kirche“ erlebte, war der Versuch, einer zu Lebzeiten berühmten Pianistin und Komponistin eine Art Ehrenrettung zu bereiten. Marie Jaëll, 1846 als Maria Trautmann im Elsaß geboren, galt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Musikerin von höchster Qualität.

veröffentlicht am 05.03.2018 um 18:23 Uhr

Holländer1

Autor

Reporter

Mit ihrem Mann, dem aus Österreich stammenden Pianisten Alfred Jaëll, zählte sie zur führenden Vertreterin meisterhaften Klavierspiels. Danach war sie jedoch so gut wie vergessen, auch ihre Werke wurden nicht mehr gespielt.

Es ist das Verdienst der heute in Weimar wirkenden Pianistin und Lehrerin Cora Irsen, Leben und Werk der Marie Jaëll allmählich wieder Bekanntheit zu verschaffen. Sie hat das gesamte Klavierwerk auf CD aufgenommen, ist Autorin der Lebensbeschreibung unter dem Titel „Die charmante Unbekannte“. Ob die Ehrenrettung gelingt, muss sich jedoch erst erweisen.

Cora Irsen gastierte nun in Hameln im Rahmen der zweiten Serenade dieser Saison, las wesentliche Passagen aus ihrem Buch und ließ damit das Leben und Wirken der Marie Jaëll transparent werden. Immerhin erfuhr man, dass die Künstlerin enge Verbindungen zu zahlreichen Größen ihrer Zeit hatte, genannt sei vor allem Franz Liszt, dem sie weitere Förderung ihres herausragenden Klavierspiels verdankte.

Wir erlebten Cora Irsen hier vor allem als kundige Interpretin ausgewählter Klavierstücke der Jaëll. Der Bösendorfer-Flügel im Haus der Kirche eignet sich vom Klang her besonders für Musik dieser Epoche, er trägt sie in der ganzen Spannweite vom vollgriffigen Auftrumpfen bis in die ziselierte Feinheit im Diskant. Aber vielleicht hätte man sich unter den Händen der Pianistin etwas weniger Lautstärke, dafür immer wieder ein Hauch von Innigkeit und Pianokultur gewünscht. Hätte man das Instrument nicht ganz öffnen sollen?

Unter den dargebotenen Klavierstücken beeindruckten die eingangs gespielten Esquisses, die klanglich schön gestaltete Hymne, der mit vollem Einsatz und höchster spieltechnischer Qualität musizierte Satz aus der Sonate in C-Dur. Nach der Pause faszinierte Cora Irsen mit Teilen aus dem Zyklus „Dantes Hölle“ und kunstvollen, teils eher lyrischen Charakterstücken.

Es erklang aber zwischendurch auch Musik aus der Feder von Franz Liszt, und wenn man sich den wohlbekannten „Liebestraum“ Nr. 3 ein wenig verhaltener gewünscht hätte: die grandios und wahrlich mitreißend vorgetragene „Rhapsodie espagnole“ wurde zum Höhepunkt kunstvoller Interpretation durch eine Meisterpianistin. Bewiesen wurde allerdings auch unzweifelhaft: Liszt war doch der Größere!



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