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Das Filmtheater Essen versucht sich im TAB an Curt Goetz‘ „Hokuspokus“

Verspielte Vorschuss-Lorbeeren

Hameln. Er ist, wenn man so will, einer der liebenswertesten Charmeure des Boulevard – ein bisschen vergangen vielleicht. Sein Markenzeichen: Witz und überraschende Pointen. Nichts ist, wie es scheint – und seine Welt auf eigenwillige Weise meschugge. Wenn man Curt Goetz nur Curt Goetz sein lässt. Was seine Stücke so gar nicht mögen und vertragen: die Parodie der Parodie, die sie ja bereits mitbringen.

veröffentlicht am 26.02.2014 um 15:44 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 19:21 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Das gilt vor allem auch für Figuren wie den Butler – kein Autor, der diese Spezies so oft, so skurril und immer perfekt auf die Bühne gebracht hätte –, von dem der Gerichtspräsident hier etwas genervt sagt: „Ich wünschte, dass du weniger vornehm wärest.“ Und hier das pure Gegenteil davon ist. Warum eigentlich?

Joeri Burger macht auch aus den diversen Zeugen Karikaturen der Karikatur, die sie ja bereits sind – wenn auch sehr menschenähnlich. Zeuge Sedal, im Original eine Zofe und kein Kammerherr – würde mich schon interessieren, wie er seiner Herrin beim Anziehen hilft, so in Höschen und BH – outriert, dass sich die TAB-Bühnenbretter biegen. Zeuge Onano, im Original Eunano mit griechischen Vorfahren, daher das EU am Anfang – ein Gag, den Goetz noch gar nicht ahnen konnte –, kommt hier als Billigstlacher aus Springe daher. Eine liebenswerte kleine Schwuchtel im heraufziehenden Gewitter vom Präsidenten mit „Daher die Schwüle“ eingeführt. Warum daraus ein Rotzer-Prolet wird, so ganz gegen Goetz gebürstet, weiß vermutlich nur das Filmtheater, das doch vor einem Jahr noch mit „Drei Männer im Schnee“ für ein nostalgisches Vergnügen sorgte.

Natürlich kann Burger nichts dafür, weil hier die Regie von Co-Prinzipalin Saskia Leder verantwortlich ist, die auch den Gerichtspräsidenten ein ums andere Mal unter seinen Richtertisch und sodann unten ihm hindurchkriechen lässt. Und was soll der weiße Bademantel, wenn Peer Bille von Autors Gnaden in Frack und Zylinder zum Champagner-Treff auftreten soll?

Was immer sich Saskia Leder – als Frau Engstrand ebenfalls mit von der Partie – auch gedacht haben mag, um das Stück aufzumotzen: den größten Teil plätschert es ziemlich uninspiriert dahin, sodass man bei den gekürzten Plädoyers und Peer Billes Erzählung, wobei sein altes Pferd Kleopatra geopfert wird, dankbar ein paar Endorphine verströmt. Auch wenn Dirk Volpert als Präsident, Markus Veith als Graham und Staatsanwalt sowie Lars Lienen als Peer Bille und auch Kirsten Annika Lange als Agda Kjerulf immer wieder mal schauspielerisch überzeugen. Aber irgendwie läuft in „Hokuspokus“ am Dienstagabend im TAB so einiges aus dem Ruder. Und wenn es bei der Kästner-Adaption im vergangenen Jahr noch hieß, dass das Filmtheater nicht nur im TAB kultig werde könnte – tempi passati und verspielte Vorschuss-Lorbeeren.



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