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Kompositionen und Arrangements nach Texten und Chorälen von Martin Luther

„Verley uns Frieden“ im Rittergut

WESTERBRAK. Das Rittergut Westerbrak war bei den Musikwochen Weserbergland wieder der passende Rahmen für ein ganz besonderes Konzert: Das Bundesjazzorchester (BuJazzO), das offizielle Jugendjazzorchester der Bundesrepublik Deutschland, präsentierte Kompositionen und Arrangements nach Texten und Chorälen von Martin Luther für Jazzorchester und Vokalensemble.

veröffentlicht am 04.06.2018 um 16:19 Uhr
aktualisiert am 04.06.2018 um 18:30 Uhr

Das Bundesjazzorchester (BuJazzO) spielte auf dem Rittergut Westerbrak im Rahmen der Musikwochen Weserbergland. foto: wfx

Autor:

Jürgen Schoormann

Der Kölner Komponist Michael Villmow, zugleich bei diesem aktuellen Projekt auch Dirigent des 30-köpfigen Ensembles, hatte zum 500. Reformationsjubiläum Kompositionen und Arrangements über prägnante Zitate und Choräle Luthers für das Orchester geschrieben. Nach Konzerten in Berlin, Dessau, Weimar und Wittenberg dank mutiger Entscheidung von Christiane Klein und Stefan Vanselow nun also Westerbrak.

Mutig insofern, als diese Musik den Zuhörern durchaus einiges an Konzentration und Aufnahmebereitschaft abverlangte. Die gedruckt vorliegenden Texte halfen zum Verständnis , wie auch die knappen Erläuterungen des Dirigenten.

Der erste von ingesamt acht Titeln „Ich bin kein Besessener“ mag als Beispiel gelten für die Art der Kompositionen. Mit einem Glockenklang beginnt das Stück, ruhig und im Piano setzt der Chor ein, der Text wird ständig wie zur Selbstvergewisserung wiederholt, eine Instrumentengruppe nach der anderen kommt hinzu, das Ganze steigert sich bis zu einem ersten Ausbruch im Fortissimo, danach Rückkehr in ruhigeres Fahrwasser, und dann folgt ein improvisiertes, also nicht in Noten festgehaltenes Solo, in diesem Fall des Altsaxophonisten Fabian Dudek, bevor das Stück mit einer intensiv gesteigerten Schlusswendung der gesamten Band endet. Es ist der Versuch, mit musikalischen Mitteln die unterschiedlichen seelischen Zustände Luthers zwischen Zuversicht und Angst, Glaube und Zweifel zu Beginn seines Aufenthaltes im Kloster zu illustrieren. Von den acht unterschiedlich langen Titeln ragen heraus „Tok, tok, tok“, eine musikalische Darstellung des Thesenanschlag in Wittenberg 1517, und die Bearbeitung des Chorals „Ein feste Burg“. Faszinierend, wie hier der Anfang, noch nahe am Original, in immer weiter ausgreifenden Variationen rhythmisch und melodisch verändert wird. Auch hier steht im Zentrum ein Solo, diesmal von Viktor Fox am Tenorsaxophon, der sich dabei in einen spannenden Dialog mit der gesamten Band einlässt. Mit einer heftigen und lautstarken Schlusswendung wird der Teufel als „Fürst dieser Welt“ besiegt.

Trotz jugendlichen Alters – die Mitglieder der Band sind zwischen 16 und 22 Jahre alt- agiert das Orchester unter der präzisen Leitung Michael Villmows absolut professionell. Und obwohl sehr viele der zahlreichen Zuhörer die Großeltern der Musiker sein könnten, für die diese Klänge durchaus gewöhnungsbedürftig waren, zeigte doch am Schluss einhelliger, begeisterter Beifall: hier haben bei einem ungewöhnlichen Projekt die Generationen durch die Musik zusammengefunden.



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