weather-image
Das Huelgas-Ensemble beim dritten Konzert der Musikwochen Weserbergland im Hamelner Münster

Unvergesslich

Hameln. „Die Begeisterung entlud sich in minutenlangem Beifall“. So geschehen Mitte September 2011, als im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage in der Fischbecker Stiftskirche das Huelgas-Ensemble zum ersten Mal in unserer Region gastierte.

veröffentlicht am 25.05.2015 um 17:23 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:56 Uhr

270_008_7721372_ku101_geb_2605.jpg

Autor:

Karla Langehein
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

In ähnlicher Form dankten nun am Pfingstsonntag im Hamelner Münster St. Bonifatius auch die Hörer des dritten Konzerts der 27. Musikwochen Weserbergland für ein denkwürdiges Konzert. Unter den zahlreichen, sich um die historisch getreue Wiedergabe alter Musik bemühenden Kammerchören Europas nimmt das Huelgas-Ensemble unter der Leitung seines kenntnisreichen Gründers Paul van Nevel eine absolute und unangefochten wegweisende Sonderstellung ein.

Nun öffneten die vierzehn Sängersolisten ihren Hörern das Tor zur weit entfernten Klangwelt des frühen 16. Jahrhunderts mit einem Programm, das ausschließlich dem Schaffen des vor 500 Jahren geborenen Cyprian (italienisch: Cipriano) de Rore gewidmet war. Der gebürtige Flame arbeitete vorwiegend in Italien, unter anderem auch kurze Zeit als Nachfolger seines Landsmanns Adrian Willaert im Amt des Kapellmeisters von San Marco. Schon zu Lebzeiten war er als „il divino Cipriano“ wegen seiner vielfarbigen Motetten und Madrigale das berühmte Vorbild seiner Kollegen.

Im Hamelner Münster erklangen sieben dieser kleinen, stark auf den Textinhalt bezogenen Meisterwerke. Exemplarisch seien hier das frühe, auf eine Dichtung von Petrarca komponierte „Mia benigna fortuna“ genannt, und, zum Vergleich, das späte, 1565 komponierte Sonett „Da le belle contrade d’oriente“ auf den Text eines vermutlich zeitgenössischen anonymen Verfassers. An ihm ist zu erkennen, dass Cipriano sich gegen Ende seines nur 46 Jahre langen Lebens dem sich entwickelnden neuen Stil öffnete. Eine Wandlung, die noch plastischer wird mit der das Konzert beschließenden hochdramatischen Szene aus Vergils „Dido und Aeneas“ – da steht schon die Vision – der rund 50 Jahre nach Cipriano erfundenen Oper im Raum.

Ein fantastisches Programm – und wunderbar gesungen! Paul van Nevel besetzt die vier- bis siebenstimmigen Sätze doppelchörig und erreicht damit ein Maximum an dynamischer Breite. Hinzu kommt, dass sich in den vier- bis fünfstimmigen Madrigalen durch den permanenten Wechsel der Sänger die Textur des Zusammenklangs in immer neuen Farben belebt.

Eine Methode, die auch bei Vollbesetzung trägt wie bei der siebenstimmigen „Missa praeter rerum seriem“, einer der drei Parodiemessen, denen Cipriano Chansons von Josquin Déprez zugrunde legte. Paul van Nevel beschrieb diese Messe einmal als die vielleicht monumentalste Messe des 16. Jahrhunderts. Tatsächlich ist das Gewebe der sieben Stimmen (Sopran, Alt, drei Tenöre und zwei Bässe) höchst kunstvoll und dicht, zuweilen imitatorisch und mit Echowirkungen angelegt.

Das macht zwar die Verfolgung des Textes in seinen Einzelheiten nicht leichter. Aber der typische, vor allem im Credo so wunderbar schwebende Klang des Ensembles trägt mühelos durch das Werk, und mit seiner in sich schlüssigen, hohen geistigen Durchdringung entfaltet Paul van Nevel den Sinn, die ganze Spannung und die Schönheit dieser Musik. Unvergesslich!



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt