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Der Rockmusiker im Interview

Unterhalten Sie immer gut, Herr Westernhagen?

Hannover. Marius Müller-Westernhagen ist wieder auf Tour: Mit seiner „Hottentotten-Tour 2012“ gastiert er am 21. September in der hannoverschen TUI-Arena. Was das Publikum dort erwarten wird, verrät er schon im Interview.

veröffentlicht am 14.09.2012 um 14:24 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Ingolf Rosendahl
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Der Livekünstler Westernhagen schläft lange, geht zeitig zur Bühne und singt sich kurz vor der Show ein. Wie sieht der Tag des Normalbürgers Westernhagen aus?

Einerseits ist immerzu administrativer Kram zu erledigen. Andererseits muss man die Antennen auf scharf gestellt haben, weil einen alles inspiriert. Und dann greife ich jeden Tag zur Gitarre. Ansonsten spielt sich der Tag verhältnismäßig normal ab. Ich stehe nicht so spät auf. Dann sitze ich eine Weile am Telefon. Außerdem treibe ich fünfmal pro Woche Sport. Für das, was ich in meinem fortgeschrittenen Alter auf der Bühne tue, brauche ich Fitness. Außerdem lese ich viel.

Sie leben heute in Berlin. Warum?

Berlin fing nach dem Fall der Mauer an, mich zu interessieren. Ich habe lange in Hamburg gelebt, das sich sehr verändert hat. In den Siebzigern war es noch eine vibrierende Hafenstadt und Zentrum der Musik in Deutschland. Dann ging alles nach Berlin. Es gefiel mir immer besser, und irgendwann sind wir umgezogen. Meine Frau und ich haben uns vom ersten Tag an wohlgefühlt. Berlin-Mitte könnte eine Blaupause für die Bundesrepublik sein, denn hier herrscht eine große Toleranz.

Sie haben aber Ihre Konzertreise in Leipzig gestartet.

Es hat für mich immer eine besondere Bedeutung, im Osten zu spielen, schon, weil sich einer meiner Songs verselbstständigt und für den Osten eine große Bedeutung bekommen hat.

Sie sprechen von „Freiheit“?

Ja, ich finde es sehr bewegend, das Lied dort zu spielen. Der Osten hat nach wie vor einen Vorteil: Die Leute lieben Musik. Sie sind bereit, sich intellektuell und emotional fordern zu lassen. Diese Bereitschaft ist dort viel größer als im Westen.

„Freiheit“ soll Ihnen bei einer Stadtrundfahrt durch Paris eingefallen sein.

Stimmt, der Stadtführer sagte „sie tanzten auf Gräbern“. Dieser Satz ist bei mir hängen geblieben. Dabei hatte ich beim Schreiben weder den Osten noch den Westen im Sinn. Das ist aber das Interessante an Kunst: dass sie sich verselbstständigt.

Sie sind in der Vergangenheit in großen Arenen aufgetreten.

Bei diesen großen Inszenierungen kommt man irgendwann an einen Punkt, wo man nur noch die Möglichkeit hat, nicht mehr fantasievoller zu werden, sondern immer nur noch größer. Meine Konzerte Ende der Neunziger hatten fast einen religiösen Touch. Ich konnte mich damit nicht mehr identifizieren. In dieser Situation muss man die Stärke haben zu sagen: Es ist vorbei. Ich bin froh, dass ich das gemacht habe. Ich wollte zur Musik zurück. Aber ich bin dankbar für diese Erfahrung.

Wie viel Ihrer Musik machen Sie für Ihr Publikum, wie viel für sich?

Etwas mit Kalkül zu tun, dafür fehlt mir das Talent. Ich habe keine Ahnung, was das Publikum will. Ich will es auch nicht wissen. Manchmal trifft man den Nerv.

Würden Sie Ihre Lebensleistung so beschreiben: „Er hat mich immer gut unterhalten“?

Ich weiß gar nicht, ob ich will, dass man sich an mich erinnert. Meine Person ist nicht wichtig. Die geleistete Arbeit, die positive Energie, die man in die Welt stellt, wenn davon wenigstens ein Song bliebe, das würde mir schon genügen. Dann hätte mein Leben einen Sinn gehabt.

Er gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Musiker und hat mehr als 11,2 Millionen Platten verkauft: Marius Müller-Westernhagen.



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