weather-image
10°

Am letzten Tag der Tanztheatertage verzaubert Nanine Linning mit „Endless“ und „Zero“

Ungebremste Sinnlichkeit

Hameln. Loriot nannte ihn, leicht indigniert, „überschaubar“, den Gourmetteller – und ähnlich überschaubar, was das Publikum betrifft, präsentierte sich der Schlusspunkt der 6. Hamelner Tanztheatertage am frühen Sonntagabend im Theater. Mehr als schade. Denn die Dance Company des Theaters Heidelberg unter Nanine Linning war nichts weniger als ein einzigartiges, wundersames Ereignis. Faszinierend neu, atemberaubend und aufregend anders. Eine Körperlichkeit – fließend in immer neue, unglaubliche Positionen. Schon in „Zero“ – Ursuppe und Science Fiction zu satten Streicherklängen – zu bekennen: eine der aufregendsten und verstörendsten, gleichzeitig beglückendsten Choreografien, die ich erleben durfte.

veröffentlicht am 23.03.2015 um 16:56 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:41 Uhr

270_008_7696503_ku_202_2403_endless.jpg

Autor:

Richard Peter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Neben „Zero“ auch „Endless“ – zwei unvergleichliche Versuche, Tanz neu zu definieren. Und Nanine Linning lässt sich aufreizend Zeit. Lässt ihre Compagnie Bewegung zelebrieren, fast in Zeitlupe mit einer schier unfassbaren Leichtigkeit, als würden die Körper schweben. Wie Fischschwärme, die ständig ihre Form verändern, die Richtung wechseln – auch hier: Spiel der Formen. Jede Bewegung aufreizend geführt, erfüllt. Kein zufälliger Moment. Und einzigartig, wie sie Bewegung immer wieder neu erfindet und vorführt, Figuren und Gruppierungen fließend davongetragen werden und wieder, neu zentriert, auftauchen. Wie aus dem Nichts.

Stark, wie alles an diesem Abend – auch die Lichtregie. Figuren, die ähnlich wie in Rembrandts Gemälden aus sich heraus leuchten, das Licht in sich tragen. Spannungsfelder von Gleichklang und Dissonanz. Vor allem in „Endless“ – ach, wäre es doch endless gewesen: Diagonalen immer wieder neu. Unbeschreiblich, was Linning alles einfällt an Variationen, großen Gesten – Steigerungen, und das Publikum lautlos, gebannt.

Das ist Lust, Erotik pur – und ungebremste Sinnlichkeit. Und ganz groß. Ballett als Meilenstein – und wie selbstverständlich bei den 6. Tanztheatertagen auf unserer Bühne. Wunder können also doch noch stattfinden. Ein hinreißendes Ensemble, das vermutlich alles tanzen kann – und auch Nanine Linning, die alles kann und tanzen lässt, dass die Bühne leuchtet, auch wo Finsternis Programm scheint. Wo so etwas möglich ist, hat Tanz nicht nur Zukunft. Geradezu Verpflichtung.

Die nächsten Tanztheatertage, im verflixten siebten Jahr dann, sind auf den 6. bis 13. März 2016 terminiert. Sie hat auch diesmal wieder bewiesen, dass sie ein Händchen für so etwas hat, unsere Dorothee Starke. Wir müssen es nur wahrnehmen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt