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Eduard Künnekes Operette „Der Vetter aus Dingsda“ im Theater Hameln

Und noch eine Bescherung

Hameln. Eine durch und durch meschugge Geschichte, so liebenswert wie harmlos-lustig aber mit viel Gespür für die Zeit. Der Frieden nach dem Inferno des Ersten Weltkriegs war erst gut zwei Jahre alt und Julia, die seit sieben Jahren auf ihren Traum-Vetter aus Dingsda wartet, kein Einzelfall. Viele haben wie sie so lange warten müssen – und noch mehr umsonst. Eine Verwechslungskomödie, in der es drunter und drüber geht. Zwei windige Vormünder haben es auf das Erbe ihres Mündels abgesehen, von dem sie schon jetzt wie die Maden im Speck leben. Deren Pech, dass Julia ihrem Jugendschwarm die Treue hält und mittlerweile majorenn, also volljährig geworden ist.

veröffentlicht am 28.12.2014 um 17:28 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:50 Uhr

Ein Einfallsreichtum, von dem heutige Musicals nur träumen können: Eduard Künnekes Operette „Der Vetter aus Dingsda“. Brehm Seufert

Autor:

Richard Peter
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Es muss schon Roderich sein, der aus Dingsda – und so gibt sich ein „armer Handwerksgesell“, der nicht ganz zufällig vorbei kommt, als eben diese Kultfigur aus. Als der Echte überraschend aufkreuzt, sich aber in Julias Busenfreundin Hannchen verliebt – weil er die Julia längst vergessen hat – fliegt der ganze Schwindel auf und der arme Handwerksgesell entpuppt sich als Neffe des Vormunds Kuhbrot, in den sich Julia längst verliebt hat. Fazit: zwei Paare und ein glücklicher Vormund. Der Vorhang fällt ins Happy End.

Da rieselt zwar ab und zu ein bisschen Staub auf die heiter temperierte Bühne, was der Chose aber nichts anhaben kann. Denn Künnekes Musik – zwischen elegischer Melodik und amüsanten Nummern wie dem Tango „Kindchen, du musst nicht so schrecklich viel denken“ – besitzt eine imponierende Bandbreite und einen Einfallsreichtum, von dem heutige Musicals nur träumen können. Und längst liebe Tradition geworden, die Aufführung am zweiten Weihnachtstag mit dem Theater für Niedersachsen (TfN), das immer wieder beweist, dass Operette höchst lebendig und unterhaltsam sein kann, wenn einem Theater ein Ensemble von exzellenten Sängern und Darstellern zur Verfügung steht.

Dirk Konnerth als Erster Fremder hervorgehoben, weil gute Tenöre nun mal Mangelware sind, aber auch Martina Nawrath als Julia genauso wie Neele Kramer als Buffo-Part Hannchen sind ein einziges Vergnügen. Von Uwe Tobias Hieronimi weiß man, dass er ein blendender Komödiant ist, genauso wie Carin Schenk-Schmidt als seine Gattin „Wimpel“. Renate Rochell als Regisseurin arbeitet bewusst mit typischen Show-Elementen und hat viel Gespür für Situationskomik.

Ein unterhaltsamer Abend – nicht zuletzt durch das Orchester des TfN unter Leif Klinkhardt – und idealer Ausklang nach viel Weihnachtsromantik, noch mehr Familie und vermutlich wieder viel zu fettem Essen.



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