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„Auf ein Neues“ von Antoine Rault mit Marion Kracht im Theater Hameln

… und noch ein Weihnachtsmärchen

Hameln. Eine Art Weihnachtsmärchen für Erwachsene mit einem liebenswerten Terzett, das sich pointenreich kalauernd und manchmal auch nachdenklich und kabbelnd zum Happy End spielt. Töchterchen ist knapp 15 – kein ganz einfaches Alter, das nicht nur outfitmäßig zu bewältigen ist und Mama, erfolgreiche Karrieristin und entsprechend älter, auch nicht ganz ohne Probleme. Auch das Midlife kennt seine Krisen. Zugegeben: andere – Mami und Töchterchen im Dauerclinch. Familienalltag ganz ohne Papa, der längst Leine gezogen hat.

veröffentlicht am 01.12.2014 um 17:22 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:41 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Da sitzt ausgerechnet Heiligabend ein Clochard vor der stylischen Wohnung. Madame schmeißt ihn – vor drei Abenden stand noch ein gewisser Mr. Scrooge auf denselben weihnachtlich angehauchten Brettern – hochkant in die minus fünf Grad kalte Winternacht. Mütterchen mutiert fürs pubertierende Töchterchen endgültig zum gefühlskalten Monster. Soweit alles im grünen Bereich.

Doch nun dreht die toughe Managerin den Spieß um. Monsieur Clochard wird die Geburt Christi nicht nur im Warmen, sondern auch mit maronengefülltem Gänsebraten und Bordeaux feiern. Und wie sich das für eine dem Amüsement verpflichtete Boulevard-Komödie mit französischem Esprit gehört, schwindet das soziale Engagement des Teenagers. Der Herr im Rauschbart stinkt einfach. Also ab unter die Dusche mit dem Penner, als sich herausstellt, dass der schon mal ganz andere Tage erleben durfte. Mama Catherine zündet ihre Vermarktungsstrategie. Aus dem abgerissenen Clochard soll wieder ein präsentables Mitglied der Gesellschaft werden. Das geht in Antoine Raults Komödie „Auf ein Neues“, am frühen Sonntagnachmittag im ausverkauften Theater Hameln, natürlich nicht ohne Schürfwunden ab. Drei Eigenwillige müssen lernen, sich zusammenzuraufen.

Martin Woelffer hat die Geschichte sozusagen mit Herzblut, vielen Einfällen und nicht nur professionell inszeniert. Und hat mit Marion Kracht als Catherine, Daniel Morgenroth in der Rolle des Michel und Lene Wink als Töchterchen ein blendend aufeinander eingespieltes Trio in die Komödien-Arena geschickt.

Marion Kracht: ganz klar der Star der Mini-Truppe. Und das wird man nicht einfach so. Unendlich viele Facetten im Spiel, Komödiantik, die begeistert. Nicht nur, wenn sie Möhrchen kaut. Und Daniel Morgenroth als Michel ist ebenbürtig, brilliert mit Heine und Verlaine und einem hinreißenden Song zur Gitarre, die er selbst spielt – schon vor der Aufführung im Foyer. Ein Sympath, gleichermaßen als „Stinker“ und Anzugsträger. Eine Überraschung: Lene Wink als Sarah – sauschwer zu spielen, was sie da zu spielen hat und ein Name, den man sich merken sollte.

Eine Komödie aus einem Guss und sozusagen großstädtisches Vergnügen. Boulevard, auch wenn der bei uns nur als Kastanienwall zur Verfügung steht.



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