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Compagnie Ricardo Fernando aus Hagen mit „Station der Hoffnung“

Und jeder in sich selbst gefangen

Hameln. Theaterleute kennen sich. Man arbeitet zusammen, verliert sich wieder aus den Augen – und plötzlich ist die Verbindung wieder da. Hamelns Theaterchefin, Dorothee Starke, kennt Hagens Ballettchef noch von seiner Zeit in Bremerhaven. Jetzt hat sie ihn mit seiner Choreografie „Station der Hoffnung“ nach Hameln geholt. Ins TAB. Überall hätte man Ballett erwartet, nur hier nicht, wo es kaum eine Grenze gibt zwischen Spielfläche und Publikum.

veröffentlicht am 19.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 07:21 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Eine neue Erfahrung – Neuland für die mit Abstand schweißtreibendste Bühnensparte, so federleicht sie auch wirkt. Dazu ein Thema, wie es aktueller nicht sein könnte in einer Zeit der globalen Wanderungen. Emigranten, Migranten, Fremde unterwegs.

Der brasilianische Choreograf Ricardo Fernando, längst deutscher Staatsbürger, hat das Thema, das vom Kulturamt Hagen vorgegeben wurde, zu seinem eigenen gemacht und eine faszinierend geschlossene Choreografie geschaffen, die gekonnt mit Wiederholungen arbeitet, geschickt Folklore einbaut. Immer wieder neue Ansätze – und für Hameln eine türkische Episode neu choreografiert.

Bahnhöfe, Züge, Stadtlandschaften

„Station der Hoffnung“ – und ihre Symbole: Bahnhöfe, Züge, Stadtlandschaften. Als Hintergrund eine riesige Leinwand. Menschen auf Bahnsteigen, die in Züge einsteigen. Ein Film, wie aus der Zeit, als die Bilder laufen lernten in die sich ganz real und nun auf der Bühne, sechs Personen mischen, drei Paare.

Fremde, die das Fremde staunend entdecken, die beginnen miteinander zu kommunizieren. Begegnungen, Trennungen – Rituale, Erinnerungen, die zunehmend verblassen. Zuletzt, nach einer Stunde, wieder am Anfang. Noch immer die 50er-Jahre- Koffer, Trenchcoat. Noch immer – wieder: Fremdheit, Isolierung. Jeder in sich selbst gefangen. „Station der Hoffnung“ auch als „gescheiterte Hoffnung“. Dennoch: Ricardo Fernando romantisiert nicht, verzichtet auch auf Artistik. Erzählt kleine Geschichten eines großen Themas. Beschränkt sich – und gewinnt eben darum Freiheit. Zitiert und erfindet neu – und weiß: dass es nichts Neues gibt im Zusammenleben und auf der Suche nach Zukunft.

Und parallel zu dem Geschehen auf der Bühne – und manchmal gegenläufig: Filmaufnahmen, Zugfahrten, Stahlarbeiten. Unsere Welt der Wanderer zwischen den Welten und den Welten in uns.

Ricardo Fernando wird in der kommenden Saison mit zwei Choreografien vertreten sein. Allemal Grund, sich darauf zu freuen.



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