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Die Wiener Philharmoniker in Hannovers Kuppelsaal zu Gast

Und ganz und gar russisch

Hannover. Es gibt sie, diese unverwechselbaren Orchesterklänge, die im Ohr hängen bleiben und nach denen man sich angesichts weniger perfekter Beispiele gelegentlich sehr sehnen kann. Die Wiener Philharmoniker sind solch ein Ensemble, dessen Gesamtklang so unvergesslich ist, durchsichtig, rein und beweglich wie klares Wasser. Und da sprudelt dann eben Sergej Prokofiews opus 25, die bekannte und beliebte „Symphonie Classique“, so leicht und tänzerisch vom Podium herab, dass im bis auf den letzten (brauchbaren) Platz besetzten Kuppelsaal auch nicht das leiseste Hüsterchen störte. Am Pult ließ der langjährige Chef des Mariinsky-Theaters Valery Gergiev die Raffinessen der Instrumentation und den Glanz dieses Orchesterklangs leuchten. Wann hört man sonst im Kopfsatz die im Pianissimo staccato geblasenen, meist unauffällig dudelnden und nach dem Italiener Domenico Alberti benannten Bässe des Fagotts so unaufdringlich pointiert und wann die oft eher dahinpolternde Gavotte so tänzerisch wie an diesem Abend.

veröffentlicht am 13.01.2012 um 13:17 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Karla Langehein
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Rimski-Korsakows Opern trifft man auf deutschen Bühnen selten an – und im Konzertsaal eher die Ballettsuite aus „Scheherazade“. Gergiev verhalf nun zur Begegnung mit der Suite aus der Oper „Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronia“. Ein lautmalerisches Werk, in dessen Folge der Kuckucksruf samt Wachtel ein wenig an Beethovens „Szene am Bach“ erinnert, ein anstürmendes Tatarenheer mit sich anschließender Schlacht tobt und am Ende der Tod der Jungfrau und die sich im Wasser spiegelnde Stadt Kitesch emphatisch besungen wird. Ein Schmankerl für jedes gute Orchester, dazu vor allem in dieser Wiedergabe-Qualität ein Hörgenuss. Im inneren Kontrast dazu folgten die mit rasanten Rhythmen und ständig wechselnden Themen- und Motivsplittern fesselnden und aufregenden „Naughty Limericks“ von Rodion Schteschedrin – verrückte acht Minuten – ein musikalischer Zirkus oder „skurriles Schützenfest“ - in jedem Fall ein fantastischer Konzert-Abschluss.

Noch vor der Pause kamen zwei andere Russen zu Wort: Der älteste und bekannteste dieses Programms: Peter I. Tschaikowsky, und ein sehr junger, der Pianist Daniil Trifonov.. Der gerade Zwanzigjährige gewann die Chopin-, Rubinstein- und Tschaikowsky- Wettbewerbe und wurde bei einer dieser Gelegenheiten von (Juror) Valery Gergiev entdeckt. In Hannover nun stellte sich Trifonov vor allem als junger Wilder vor. Als einer, der Stimmungswechsel häufig mit subjektiv gewählten Änderungen des Tempos erreicht und sich auch nicht scheut, großes Klangvolumen mit kräftigem Pedal zu unterstützen – ein Klangrausch, der seine imposante und insgesamt auch zuverlässige Fingerfertigkeit zuweilen überdeckte. Gergiev und die Wiener Philharmoniker schenkten dem jungen Pianisten die dynamisch ausbalancierte Basis – hinreißend die ersten Takte des Andantes. Tosender Beifall für Trifonov und zwei Zugaben von ihm: Chopins Grande Valse brillante Es Dur op. 18 sowie Bachs Gavotte aus der Solosuite BWV 1006 in der Bearbeitung von Rachmaninow. Und ganz am Schluss dann doch noch was Wienerisches: Ein gut gelauntes Straußsches „Ohne Sorgen“ als Abschiedgruß.



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