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Wie Max Raabe und das Palast Orchester mehr als 1400 Besucher in der Rattenfänger-Halle verzaubern

Und ewig grünt der kleine, grüne Kaktus

Hameln. Eigens für das Konzert hat sich der kleine Max herausgeputzt: Das Haar akkurat gescheitelt, gegelt und glatt gekämmt und mit seiner grauen Kniebundhose, Hemd und grauem Jackett steht er da, wartet gespannt auf den letzten Gong und den Auftritt des großen Max, den er schon lange einmal live sehen wollte – wie herrlich unzeitgemäß wirkt der wohl jüngste Konzertgast des Abends! Und doch ist sein Outfit genau passend zu dem, was die Besucher erwartet: Musik einer längst vergangenen Epoche – aber eine, die quicklebendig den Zeitgeist trifft und offensichtlich mehrere Generationen anspricht: „Max Raabe kann toll singen, die Musik gefällt mir und die Texte sind richtig witzig“ sagt Max Moosavi aus Hameln, der, so verrät es seine Mutter Saideh, schon seit vier Jahren auf die Musik aus den 20er und 30er Jahren steht. Die finde er mit Abstand am besten, meint der kleine Max. Erst käme Max Raabe. Dann lange nichts. Und dann vielleicht Hip-Hop – Worte aus dem Mund eines Neunjährigen, die genauso gut auch jeder erwachsene Fan in ähnlicher Weise hätte formulieren können: die Dame aus der ersten Reihe, die verrät, sie sei Jahrgang 1938 und dass viele Lieder von damals bis heute bei ihr hängen geblieben seien, ebenso wie all die anderen der mehr als 1400 Gäste aller Altersstufen, die dem Lockruf von Veronika und dem Lenz, von Elisabeth und den schönen Beinen und dem ewig grünen stacheligen Kaktus gefolgt sind.

veröffentlicht am 07.10.2010 um 14:29 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 13:21 Uhr

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Autor:

Alda Maria Grüter
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Klar, die gefälligen Ohrwürmer, die lassen Max Raabe und sein 13-köpfiges Palast Orchester in der ausverkauften Rattenfänger-Halle selbstverständlich erklingen. Aber das Repertoire – ob Tonfilm-Schlager, flotte Foxtrotts oder der auf Spanisch vorgetragene Paso doble – verweilt eben nicht nur in dieser einen altbekannten Nische. Raffinierte Arrangements überraschen immer wieder, ebenso wie die Texte, tieftraurig bis witzig, leicht bis klug, und nicht zuletzt die Art der Moderation, die ebenso elastisch und wandlungsfähig daherkommt wie die Gesangsstimme des Sängers: Die Ansagen – staubtrocken, Silbe für Silbe akkurat artikuliert, und ohne dass ihm dabei auch nur ein einziges Mal ein Lächeln über das Gesicht huscht – auch die sind Musik für die Ohren. Unverfängliches, Heiteres, Lieder, die – nicht ohne elegante Ironie – zwischenmenschliche Beziehungen streifen, hatte der Sänger dem Publikum versprochen. Und geliefert.

„Da findet man das Leben einfach La-la-la-la…“, meinen die Freundinnen Britta Anderson und Claudia Harder, die sich stilistisch mit dem kleinen Schwarzen, mit Federboa, rosenbesticktem Täschchen, Handschuhen und knallrotem Kussmund auf den nostalgischen Abend eingestellt haben. Vielleicht erklärt sich der Erfolg von Sänger und Orchester auch gerade mit der heiteren Leichtigkeit der Stücke, die sich so gar nicht mit den Problemen der (damaligen) Zeit herumschlagen.

Das Publikum jedenfalls hat sich bestens amüsiert, wollte Max Raabe und sein Palast Orchester auch nach zwei Zugaben nicht von der Bühne gehen lassen. Bei der dritten Zugabe dürfte sich der kleine Max endlich sein Lieblingslied „Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich“ gewünscht haben – wie auch immer: Witzig war sie allemal, die Schlussnummer, die das kleine Saxofon nach zwei Stunden Spiel in den wohlverdienten Schlaf schickte.

3 Bilder

Gefällige Ohrwürmer, aber bitte nicht lächeln: Max Raabe präsentiert seine Stücke stilecht und staubtrocken. Fotos: geb



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