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Unausweichlich: Am Ende kommt immer der Schluss

Hameln. Katharina Thalbach gewann am Sonntag das Rennen gegen einen traumhaften Sonnentag und sorgte für ein fast auserkauftes Theater bei "Zwei auf der Parkbank". Und niemand, der bedauert hätte, die Theaterstühle gegen die Gartenstühle getauscht zu haben. Im Gegenteil: stehende Ovationen für die Thalbach und ihre Partnerin Andreja Schneider. Vor allem aber war es die Thalbach mit iher clownesken Figur, die, wie unser Kritiker Richard Peter fand, immer wieder an Chaplin erinnerte.

veröffentlicht am 03.10.2011 um 14:04 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 06:41 Uhr

kultur
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Von Richard Peter

Hameln. Auch wenn am Ende immer der Schluss kommt – davor muss es allemal einen Anfang geben. Und dazwischen entscheidet sich, ob man das Ende herbeisehnt oder befürchtet. Bei „Zwei auf einer Bank“ am späten Sonntagnachmittag im Theater Hameln wurde eindeutig befürchtet. Und das an einem Traumtag, der nicht unbedingt nach Theater verlangte. Wäre da nicht eine Katharina Thalbach angekündigt gewesen. Fast volles Haus also und am Schluss stehende Ovationen und als Verbrüderungs-Kanon zwischen Bühne und Publikum gemeinsam geträllert: „Froh zu sein bedarf es wenig...“. Von wegen – und immerhin mit einem Duo Katharina Thalbach und Andreja Schneider.
 Ein meschuggenes Stück, Liebesgeschichte der ganz anderen Art als musikalische Begegnung. Kleines dickes Joachim auf Depri-Trip, lebensmüde und der Strick als letzter Freund. Damit es nicht ganz so tragisch wird, muss Papagenos „Gute Nacht...“ aushelfen, bevor Loreley auftaucht und die Gemütssonne anknipst. Sie knüpft ab, bandelt an und das Spiel auf der Bank kann beginnen, Amor schießt schließlich seine Pfeile ab. Schlussrunde im Ehestreit: „Es war Winter – nein, Frühling!“ Eine ganz normale Liebesgeschichte – eine gesungene. Nicht ganz so normal.
 Und eben die Thalbach. Ein wundersamer, unendlich liebenswerter Clown, der einen Lachen und Weinen macht. Kurz hintereinander und manchmal gleichzeitig. Eine Komödiantin, die grenzenlosen Charme versprüht um in der nächsten Sekunde zum boshaften kleinen Teufel zu mutieren. Sie kann nicht singen – aber das hinreißend. Und sie hat ein paar Nummern in Chaplin-Qualität. Kein Kalauer, der zu blöd wäre – „Der Rhein, man möchte reinspringen“ – oder ganz tief aus dem Bauch: „Da steht er wieder, der Tod, die Sau“. Sie darf alles, kann alles, weil sie alles mit Überzeugung macht. Die Pinkelszene unter der Laterne – vermutlich kann nur eine Frau das so spielen, so perfekt, so grandios in die Karikatur und das Bewusstsein getrieben. Und wie jeder große Clown kann sie plötzlich ganz fies werden und schlicht: „Du lässt mich stehn“ als Einstieg zu Aznavours „Du lässt dich gehn“. Und die Thalbach auf der Bühne: „Zum Wegküssen, auch wenn der Onkel Doktor das verboten hat.
 Eine blendende Partnerin: Andreja Schneider. Sie kann singen und hinreißend lachen, wie sie in einer kleinen Lachnummer bewies. Auch sie adelt jeden Blödsinn mit einer Ernsthaftigkeit, die allein komisch ist. Das gilt für Show-Einlagen, Kabarettistisches und Schwelgerisches wie Lehárs schweigende Lippen. Ein ideales Paar– ergänzt um ein brillantes kleines Orchester unter Christoph Israel.
 Ein herrlicher Spaß, der nicht nur spaßig war – aber aufs Schönste unterhaltsam. Und mindestens so schön wie der schöne Sonntag mit nichts als Sonne pur.



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