weather-image
21°

Ultravox zwischen Autopilot und Sichtflug

Von Martin Jedicke

Hannover. Eine Stunde lang schleppt sich der Elektropop der wiedervereinigten New-Wave-Band Ultravox dahin. Freundlicher Applaus der 800 Gäste im Capitol, doch alle warten auf die Hits. Und die prasseln in der folgenden Dreiviertelstunde auf die Fans hernieder. Midge Ure erweist sich als begnadeter Performer von Hymnen, die sogar „Hymn“ heißen. Oder „The Voice“. Oder „Love’s Great Adventure“. „Reap The Wild Wind“ wird von der vielleicht schönsten Melodie im Ultravox-Songzyklus getragen. „Dancing With Tears In My Eyes“ ist der auf Charterfolg gepolte Hit, „All Stood Still“ und „Sleepwalk“ kombinieren einen treibenden Beat mit Keyboardflächen und erinnern an die Urformation mit John Foxx als Sänger.

veröffentlicht am 23.04.2010 um 12:36 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:41 Uhr

urltravox
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Von Martin Jedicke

Hannover. Eine Stunde lang schleppt sich der Elektropop der wiedervereinigten New-Wave-Band Ultravox dahin. Freundlicher Applaus der 800 Gäste im Capitol, doch alle warten auf die Hits. Und die prasseln in der folgenden Dreiviertelstunde auf die Fans hernieder. Midge Ure erweist sich als begnadeter Performer von Hymnen, die sogar „Hymn“ heißen. Oder „The Voice“. Oder „Love’s Great Adventure“. „Reap The Wild Wind“ wird von der vielleicht schönsten Melodie im Ultravox-Songzyklus getragen. „Dancing With Tears In My Eyes“ ist der auf Charterfolg gepolte Hit, „All Stood Still“ und „Sleepwalk“ kombinieren einen treibenden Beat mit Keyboardflächen und erinnern an die Urformation mit John Foxx als Sänger.
 Damals waren die Briten eine kleine, experimentierfreudige Band, deren Debütalbum kongenial Punk, Glamrock, Elektronik und Pop verwob. Nach drei Platten war vorerst Schluss. Die Musiker verdingten sich bei Gary Numan und Visage, um die Reinkarnation von Ultravox ab 1980 endgültig auf Elektropop zu trimmen. Neusänger Midge Ure aber hatte bei Thin Lizzy Gary Moore abgelöst und brachte seine E-Gitarre mit.
 So erklingen am Mittwoch mitunter drei Keyboards gleichzeitig. Doch Warren Cann sitzt des Öfteren hinter einem echten Schlagzeug. Chris Cross lässt sich immer mal einen Bass reichen. Billy Currie streut Violinenpassagen ein und Ure steuert auf seiner Gitarre einige Rockriffs bei. Dennoch: Der Übersong bleibt das atmosphärische „Vienna“ – mehr „Dritter Mann“ als „Schöne blaue Donau“, immer noch gespenstisch und berückend, auch nach dreißig Jahren. Und 100 Prozent Polyester. Manch Synthesizerfigur läuft in Hannover auf Autopilot. Bleibt abzuwarten, ob die Band über ihre Nachlassverwaltung hinauskommt, auf Sichtflug geht und ihren Sound in neue Songs für ein neues Jahrtausend überführen wird.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare