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Interview mit Axel Milberg zum aktuellen „Tatort“-Krimi „Borowski und der Engel“

Traumteam mit wunderbaren Kollegen

Kiel. Der Kieler Hauptkommissar Klaus Borowski ist ein besonders prägnantes Exemplar eines typisch norddeutschen Eigenbrötlers. Zugegeben: Wenn er sein „Ich höre“ in den Telefonhörer knurrt, wirkt dieser wortkarge Individualist nicht gerade wie ein Sympathieträger. Doch genau das ist er. Mit über neun Millionen Zuschauern gehört der Kieler „Tatort“, der jetzt sein zehnjähriges Jubiläum feiert, zu den beliebtesten seines Genres. Der nächste „Tatort“ mit Axel Milberg als Borowski wird am 29. Dezember ausgestrahlt. Wie sieht Axel Milberg den „Tatort“-Erfolg und was bedeuten für ihn selbst Leben, Mord und Tod?

veröffentlicht am 26.12.2013 um 15:24 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:21 Uhr

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Zehn Jahre Tatort – das schafft nicht jeder.

Ja, aber die meisten bleiben. Und mir macht es Spaß.

Und wenn Sie jetzt nach zehn Jahren Tatort in den Spiegel schauen: Nagt das Alter?

Nur am Haar.

Es geschieht ja etwas im Kieler Tatort: Routine wird durchbrochen, zwei Tote am Anfang, und Borowski lügt sogar...

Herrlich, oder? Ich bin Teil eines großen Teams. Bei diesem Tatort war es ein Traumteam mit wunderbaren Kollegen. Was kann sich ein Schauspieler mehr wünschen! Man will auch, dass ich mich einmische, schon sehr früh bei der Entwicklung des Drehbuchs. Ich lese es dann nicht als Borowski, sondern als ein Zuschauer, der sich den Film anschaut.

Der Film, auch vom Schnitt her, ist insgesamt eher ruhig gehalten. Dennoch bleibt es spannend....

Das Monströse, die Panik, der Mordplan, die Krankheit im Kopf – das ist alles in den Gesichtern und Augen der Menschen, denen wir zusehen. Zwischendurch explodiert mal was, ganz kurz. Das Kriminelle entsteht in den Entscheidungen, auch oft in der Lust und der bösen Freude der handelnden Person.

Steckt in jedem von uns ein Krimineller, sogar ein Mörder?

Der Beruf Krankenschwester ist nicht entscheidend, obwohl im Krankenhaus die Möglichkeit einer Tötung leichter gegeben ist, z.B. in der Dosierung einer Hilfsmaßnahme, wie viel Morphium oder Insulin ist in der Spritze drin. Todesengel mit sechzig, siebzig Tötungsdelikten hat es ja gegeben. Eine krankhafte Lügnerin erzählt Märchen, ohne selbst von der Realität unterscheiden zu können. Diese Krankheitsform bringt ideale Zeugen hervor, den Zeugen, der sich sehr genau erinnern kann, viel genauer und zuverlässiger als andere Zeugen. Auch die Emotionen scheinen vollkommen zu stimmen. Diese schwere Erkrankung lag den Autoren bei diesem Drehbuch zugrunde.

Hatten Sie schon einmal solche Mordgedanken?

Solche Mordgedanken wie im Film nicht, aber Mordgedanken schon. Vielleicht wäre es im juristischen Sinne auch Totschlag. Auf jeden Fall bin ich nicht frei davon. Rache ist eine Speise, die kalt serviert werden muss, heißt es, glaube ich. Ich bin Teil der Mehrheit, die Mordgedanken hat, aber auch ein Teil der Minderheit, nämlich derer, die es zugeben. Fahren Sie mal morgens zum Flughafen und haben es vielleicht ein bisschen eilig. Wie viele Leute, die in ihren Autos unterwegs sind, würden töten? Diejenigen, die zum Vordermann aufschließen, wenn jemand die Spur wechseln möchte, damit sie nicht reinkommen können. Die würden sogar einen Unfall riskieren, in dem Moment mit erhöhtem Puls ihren Tod in Kauf nehmen. Oder die mordlüsternen Augen der Wartenden an der Supermarkt-Kasse, wenn sich jemand vordrängelt. Das ist das ganz banale Material, aus dem wir schöpfen.

Immerhin haben Sie diesmal gelogen, um die Täterin zu überführen.

Das war ein großer Spaß. Ich erledige sie genau mit ihren Mitteln. Ich bin im Zentrum ihres Repertoires, nämlich der Lüge. Damit hat sie nicht gerechnet, sie hat den Beamten Borowski unterschätzt.

Bei so vielen Toten im Tatort – wie sehen Sie persönlich das Sterben?

Ich spüre schon den Wunsch ,dass der Tod gnädig ausfällt, wie bei meinen Eltern. Beide starben sozusagen gesund - mein Vater beim Zeitunglesen, meine Mutter sechs Jahre später beim Mittagsschlaf. Sie wurden aus einem aktiven Leben herausgerissen. Meine Mutter hat sich zum Mittagsschlaf hingelegt und ist nicht wieder aufgewacht. Das hat mich getröstet, diese Gnade, die keinen Raum für Klagen ließ.

Wie das Leben, so der Tod. Wer ein gutes Leben führt, den erwartet ein sanfter Tod?

Ja… Ich glaube, es gibt viele Gegenbeispiele.

Bleibt noch etwas nach dem Tod übrig?

Ich bin da offensichtlich jemand, der da nicht so genau nachdenkt, lasse es im Unklaren. Man weiß es ja nicht.

Was muss passieren, damit sich die Schauspieler so hervorragend in Szene setzen?

Lavinia Wilson z.B. ist einfach toll, schnell, intelligent, nervös. Es war ein großes Vergnügen mit ihr. Aber Leslie Malton auch.

Sie wirken so leise und kontrolliert. Können Sie auch mal richtig brüllen?

Ich habe in den ersten Tatorten gebrüllt. Aber das mache ich nicht gerne, weil ich es so gut kann, dass das Team nach einer solchen Szene auch immer ganz betreten ist, weil es denkt „ui, der ist ja echt sauer.“ Also es muss gut geschrieben sein, dann brülle ich auch wieder.

Interview: Manfred Gregor

Axel Milberg als Kieler Hauptkommissar Klaus Borowski – ein besonders prägnantes Exemplar eines typisch norddeutschen Eigenbrötlers.

M. Gregor



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