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Mitsuko Uchida beschließt pro-musica-Saison

Träume am Steinway

Hannover. Sie ist die Grande Dame des Klaviers. Und längst Legende. Nun triumphierte Mitsuko Uchida mit einem komplizierten Soloprogramm, das wie eine Aneinanderreihung von Aphorismen anmutete. Gewichtige Kleinräumigkeiten, in deren Rahmen die Japanerin sich mit gewohnter Souveränität bewegte.

veröffentlicht am 19.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:41 Uhr

Autor:

Karla Langehein
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Vollkommen in sich versunken entwickelte sie das in melancholischer Chromatik aufwärts strebende Thema des a-moll-Rondos KV 511 von Mozart. Es klang wie ein einsamer Gesang. Dabei stellte sich im Nachhinein die leichte Überdehnung des Auftakttones in Verbindung mit der im Pianissimo fast verschwindenden Begleitstimme als prägendes Merkmal ihres das gesamte Programm beherrschenden Interpretationsstils heraus. Uchida hört tief hinein – in kleinste Räume und in ihr eigenes Inneres – und malt mit Tönen ein Universum, in dem die Zeit scheinbar stillsteht. Dies verstärkt die Distanz zu Beethovens „Lebhaft, marsch-mäßig“ oder zu Schumanns „leidenschaftlich“. Dieser Stil macht es dem Zuhörer nicht gerade bequem. Er muss mitdenken und sich gleichzeitig auch treiben lassen.

Am Ende gelten Schlegels Wirte, die Schumann seiner Großen Fantasie C-Dur voranstellt: „Durch alle Töne tönet im bunten Erdentraum ein leiser Ton gezogen für den, der heimlich lauschet“ auch für Anton Weberns Variationen op. 27, deren spröde Sätze wie hell leuchtende Sternschnuppen aufblitzten.

Auch in Beethovens op. 101 waren es vor allem die ruhigen Passagen, die „innigste Empfindung“ des ersten und das „Affettoso“ des Adagios, die – wie auch der ruhige Mittelteil der Schumann-Fantasie – ohne Einschränkung überzeugten.

Als winzige Zugabe angekündigt erklang zunächst der zweite Teil aus Schönbergs op. 19. Und schließlich – noch ein Traum – das Andante cantabile aus Mozarts Sonate KV 330.

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