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Die Kammermusikgemeinde als Champions League: So will der Geiger Oliver Wille Hannovers altehrwürdige Konzertreihe retten

„Traditionelle, etwas spießige Formen“ möchte er aufweichen

Hannover. Es geht ums Überleben. Darum spricht man bei der Kammermusikgemeinde derzeit ungewöhnlich offen über die Probleme der Konzertreihe. „Altersbedingter Zuhörerschwund und damit verbundene finanzielle Einbrüche machen uns zu schaffen“, ist in der Vorschau auf die neue Saison zu lesen. Dass es in den kommenden Wochen und Monaten überhaupt noch Konzerte gibt, ist ein ebenso gutes Zeichen für den Lebenswillen des Vereins wie die neue Zusammensetzung des Vorstands. Ein Durchbruch ist es aber noch nicht: „Die Kammermusikgemeinde muss viel lebendiger werden“, sagt Oliver Wille, der künftig für die Programmgestaltung zuständig ist, „sonst ist bald Schluss.“

veröffentlicht am 13.08.2012 um 15:36 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 00:41 Uhr

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Autor:

Stefan Arndt
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Der 36-jährige Berliner ist seit diesem Semester Professor für Streichquartett an der Musikhochschule und Primarius des renommierten Kuss Quartetts. Er glaubt, dass Hannover wieder zu der Kammermusikmetropole werden kann, die es einmal war. „Ich habe die Hoffnung, dass unsere Änderungen in den kommenden zwei Jahren einschlagen werden“, sagt er.

Wichtigstes Ziel ist für Wille, mit den Konzerten „Erlebnisse herzustellen“. „Man muss hinterher über den Abend sprechen“, sagt der Geiger. Dafür müsse man die „traditionellen, etwas spießigen Formen“ aufweichen. Richten sollen das nun „authentische Künstler“, die Musik von einer frischen und überraschenden Seite zeigen. Möglichkeiten böten sich reichlich: „Es gibt genug Ensembles, die gute Ideen haben, sie aber nie zeigen können, weil die Veranstalter auf konventionelle Programme bestehen.“ Darum möchte Wille Musikern die Gelegenheit geben, sich so zu präsentieren, wie sie es selbst gerne möchten. Zumindest im zweiten Teil der Konzerte sollen die Künstler freie Hand in der Programmgestaltung erhalten.

Auf diese Weise muss man nicht völlig umdenken. Cross- Over-Künstlern wird man in Konzerten ebenso wenig begegnen wie Musikern, die nicht auf höchstem Niveau spielen. Es wäre fatal, auf billige Ensembles auszuweichen, nur weil der Etat keine großen Sprünge zulässt, so Wille. „Die Kammermusikgemeinde lebt von den großen Namen“, sagt er. Durch die Arbeit an der Musikhochschule, die viele gute junge Musiker anziehen soll, will er dazu beitragen, die Stadt langfristig für Kammermusiker attraktiver zu machen. „Man muss sich wieder darum reißen, hier auftreten zu können“, sagt er. Welche Rolle sein Verein dabei spielen soll, ist auch schon klar: „Die Kammermusikgemeinde ist dann die Champions League.“

In dieser Saison bleibt man noch im Beethovensaal, ein neuer Ort für die Konzerte soll jedoch gesucht werden. Neu ist auch die Öffnung zum Nachwuchs: Studenten der Hochschule können bei einem „Kammermusik-Fest“ den Stand ihres Könnens zeigen.

Weitere Informationen und Programm unter Tel. 05 11/ 32 35 81.

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