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Mit „Loyality“ eine frische und abwechslungsreiche neue CD in der Hamelner Sumpfblume vorgestellt

Tourauftakt von Phillip Boa: Ein Schalentier im Nebel

Hameln. „Das Album ‚Loyalty‘ zeigt Boas Einflüsse: David Bowie, frühe Roxy Music, Postpunk, Joy Division und trotzdem ist die Leichtigkeit, Härte und Modernität aktueller Bands wie Arcade Fire, Vaccines, Howler etc. zu spüren.“

veröffentlicht am 30.09.2012 um 14:59 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 19:21 Uhr

Autor:

Martin Jedicke
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Uff, da hat sich eine Plattenfirma aber ganz schön aus dem Fenster gehängt. Das Namedropping macht sich sicher gut, aber lassen wir die Kirche mal im Dorf. Dennoch: Phillip Boa ist mit „Loyalty“ eine frische und abwechslungsreiche neue CD gelungen, die es verdient, komplett gespielt zu werden. Zum Tourauftakt haben sich knapp 300 Gäste in der Hamelner Sumpfblume versammelt, und vielen sind diese Songs offensichtlich bereits bekannt. Boa, an diesem Freitagabend überraschend gut gelaunt und selbstkritisch, wird sich später für einen „am Anfang wegen der neuen Stücke etwas verkrampften“ Auftritt entschuldigen.

Dabei beginnt das Konzert mit der fulminanten „Black Symphony“: Ein paar Splitterakkorde des Voodooclub-Gitarristen Oliver Klemm, dann Doppelgitarren-Power mit Boa als zweitem Gitarristen, ein Break, Keyboard, Boas Gesang setzt ein, schließlich flächige Synthies und der hymnische Refrain, unterstützt durch Pia Lunds Elfen-Stimme.

Dann „Want“, Lunds immer etwas teeniehafte Intonation zur Schrammelgitarre, später „Sunny When It Rains“ mit Garbage- und Blondie-Anklängen. „My Name Is Lemon“ verschreckt zunächst mit Scooter-artigen Keyboardwällen, kriecht im Chorus aber ohrwurmig in die Gehörgänge.

Geradezu Hitqualitäten zeigt „Dream On Planet Cherry“, vorwärts marschierender Poprock mit herrlicher Bratzgitarre. Drei Minuten für ein Halleluja. Der artifizielle Höhepunkt dreht sich, textlich etwas rätselhaft, um einen Hummer im Nebel. Gemeint sei der Philosoph Adorno. Musikalisch gerät der elektronisch angereicherte Artrock angenehm luftig, mit knappen Schlagzeug-Soli, abgrundtiefen Synthesizer-Passagen und irrlichterndem Keyboard-Flirren. Spannend, aber nicht jedermanns Sache. Wohl auch deshalb streut Boa eine Best-of-Auswahl älterer Lieder ein: „Container Love“, „This Is Michael“, „Albert Is A Headbanger“ und, wie gewohnt, als Schlusspunkt „Kill Your Ideals“.

Diesen Appell könnte auch Adorno geäußert haben. Lieber aber sei an dessen Aphorismus erinnert: „ Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein.“ Möge der Zauber eines roten Schalentiers die Suche nach der Wahrheit überstrahlen.



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