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Pianist Michail Lifits startet seine Weltkarriere – von Hannover aus

Töne auf der Goldwaage

Hannover. Was für eine Dunkelheit! Kaum, dass einer der finsteren Moll-Akkorde aufgeflackert ist, verlischt die Musik auch schon wieder im Nichts. Wie Schwarze Löcher scheinen gedehnte Pausen die Töne anzuziehen und zu verschlingen. Es sind nicht gerade typische Klänge für diesen Komponisten, auch wenn kurz vor Ende des Stückes endlich doch noch ein Thema aufscheint, das vermeintlich unbeschwert klingt. Wolfgang Amadeus Mozart verbindet man eher mit dem Lichten und Leichten, erst recht in seinen Klavierwerken, die, obschon raffiniert, meist auch gefällig erscheinen sollten. Aber diese „Fantasia“ in d-Moll ist eben kein normales Stück. Es ist eine Herzensangelegenheit.

veröffentlicht am 12.09.2012 um 17:53 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Stefan Arndt
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So legt auch der Pianist Michail Lifits, der mit diesem Mozart-Werk seine Debüt-CD eröffnet, jeden Ton auf die Goldwaage. Nichts ertönt unbedacht oder gar technisch, jede Note hat einen eigenen, wunderbar vollen Klang. So lebendig tönt die schwere Maschinerie eines Konzertflügels längst nicht immer.

Doch aufhorchen lässt Lifits nicht erst mit dem ersten Stück. Schon die Werkauswahl der beim großen Klassiklabel Decca veröffentlichten CD ist ungewöhnlich: Statt mit beeindruckenden Virtuosenwerken stellt sich der 1982 in Usbekistan geborene Deutsche mit einem reinem Mozart-Programm der Klassikwelt vor. Das ist gewagt, weil man sich nie hinter pianistischem Feuerwerk verstecken kann. Statt auf Akkorddonner setzt Lifits (in der „Fantasia“) auf spektakuläre Decrescendi ins Nichts. Doch er beherrscht auch das delikate, geschmackvolle Spiel, das Werke wie die „Duport-Variationen“ zum spannenden Hörerlebnis machen kann.

Gelernt hat Lifits diese und andere Kunststücke an der hannoverschen Musikhochschule. Seine Lehrer waren Karl-Heinz Kämmerling und Bernd Goetzke. Verschiedene internationale Wettbewerbserfolge hatten die Karriere des Pianisten seit einigen Jahren angekündigt. Die CD belegt nun, dass alle Hoffnungen wohl berechtigt sind. Im Konzertleben ist Lifits ohnehin bereits sehr präsent – nicht nur als Solist, sondern auch als Begleiter der norwegischen Geigerin Vilde Frang. Nach Igor Levit, der zuletzt eine vielversprechende Karriere als Pianist von Hannover aus gestartet hat, ist auch Lifits einer der Kandidaten für die Klavierlegenden von morgen. Seinen schlackenfreien und wunderbar reichen Mozartklang wird man schon jetzt nicht mehr vermissen wollen.

Wolfgang Amadeus Mozart: „Klavierwerke“ von Michail Lifits (Decca 4764857).



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