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Coppelius‘ wundersame musikalische Reise

Time-Zeit verrinnt

Hameln. „Da ergriff mich Coppelius, ‚kleine Bestie! – kleine Bestie!‘ meckerte er zähnefletschend! – riss mich auf und warf mich auf den Herd, dass die Flamme mein Haar zu sengen begann: ‚Nun haben wir Augen – Augen – ein schön Paar Kinderaugen.‘“ Was nach einem Splatterfilm klingt, ist ein Auszug aus der Erzählung „Der Sandmann“ des Romantik-Dichters E.T.A. Hoffmann. Ein unverarbeitetes traumatisches Kindheitserlebnis treibt die Hauptfigur schließlich in Wahnsinn und Tod. Und die teuflische Figur, die gar als Doppelgänger den armen Nathanael heimsucht, erscheint am Freitagabend gleich in fünffacher Gestalt in der Sumpfblume.

veröffentlicht am 29.03.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 08:41 Uhr

Butler Bastille  Foto: Jedicke

Autor:

Martin Jedicke
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Als seien sie aus dem frühen 19. Jahrhundert herübergebeamt worden, betreten fünf Zylinder behütete blasse Herren die von Butler Bastille zuvor gründlich inspizierte Bühne. Le Comte Caspar und Max Coppella an Klarinetten sowie Graf Lindorf am Cello spielen ihre Instrumente, als trügen sie Heavy-Metal-Stücke vor. Und tatsächlich ist „Charlotte The Harlot“ dem Fundus von Iron Maiden entnommen. Mit Sissy Voss am Kontrabass und Drummer Nobusama, der dem Johnny-Depp-Streifen „From Hell“ entsprungen zu sein scheint, bieten die Berliner über zwei Stunden unterhaltsame Mimikry mit Cello- und Klarinetten-Duellen, mehrstimmigem Gesang, einem Ausflug ins Publikum, gespielten Streitigkeiten und auch dem einen oder anderen ruhigen Moment (“Das Amulett“).

Plagiatsprobleme (“Komposition“), zynische Selbstmordfantasien (“Spring doch“), vor allem aber Episoden aus dem „Sandmann“ (“Schöne Augen“) und sogar eine vertonte Fontane Ballade, in der der Tod den Bräutigam gibt (“Die Glocke“), bieten lyrisch ein ebenso weites Feld wie die ungewöhnliche klangliche Mixtur.

Die zahlreich angereiste, zum Teil stilgetreu gewandete Fangemeinde fordert immer wieder Zugaben, intoniert am Ende den Refrain von „Time-Zeit“: „Zeit verfliegt, Zeit verrinnt …“ - für Menschen, die von Jahrhundert zu Jahrhundert springen, freilich kein Problem.



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