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„Verlorene Liebesmüh“ im Theater

Theatralisches Furioso

Hameln. Theater – prallstes, überbordendes, lustvolles Theater. Und auch: ein bisschen „Verlorene Liebesmüh“. Ein theatralisches Furioso, das da über die Bühne fegt – und das Publikum schwindelig gespielt. Chaos pur. Vier Schminktische auf der Bühne und vier Schauspieler in 18 Rollen. Freitagabend im Theater Hameln: Shakespeare à la bremer shakespeare company. Eine sprudelnde Wortfabrik – denn diese frühe Komödie des Elisabethaners, vermutlich Weihnachten 1597 uraufgeführt, vor 416 Jahren also, sprüht nur so von Formulierungen und Wortwitz. Fast schon kabarettistisch, was Shakespeare da wortschöpferisch ins Parkett schwappen lässt. Pointen, die wie kleine Wellen übereinander herfallen.

veröffentlicht am 24.11.2013 um 15:45 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Es geht – worum wohl: um Liebe. Auch um Nicht-Liebe. Denn das Navarra-Quartett hat sich geschworen, drei Jahre lang nichts als humanistisch-philosophische Studien zu pflegen. Keine Mädels! Eine Schnapsidee. Ein paar Jahrhunderte später wusste man selbst in der Operette, dass die Chose nicht ganz ohne Weiber geht. Und die sind bereits unterwegs zu den vier zölibatär eingeschworenen Krampf-Hähnchen. Die Prinzessin von Frankreich mit drei Hofdamen. Es steht also vier zu vier – und zusätzlich versucht sich Don Adriano de Armado an der drallen Putze Jaquenetta.

Wie schon zu Shakespeares Zeiten spielen die Männer auch die Frauen, die einst von Knaben vor dem Stimmbruch übernommen wurden. Ein theatralisches Feuerwerk – allerdings: auch mit Leerlauf, wenn Witz von Witz umzingelt wird. Wenn auf jedes drüber noch eins und noch eines gestülpt wird und die Komödie plötzlich im Stau steckt. Natürlich auch diesmal: faszinierende Schauspieler, hinreißende Szenen und grandiose Soli. Hier ein Tänzchen zum Verlieben, da eine Gesangseinlage – auch wenn das A-cappella-Schwänzchen finalmente gestrichen werden könnte – ein poetischer Reigen mit den Modell-Puppen, Conferencen der Extraklasse und, und, und. Und wie gesagt – zwischendurch, wenn’s nur noch drunter und drüber geht und auch die da oben scheinbar nicht mehr wissen, worum es geht, die große Versuchung, in Thomas Weber-Schallauers Inszenierung verstohlen auf die Uhr zu schielen. Auch die vorweggenommene sommernachtsträumende Rüpelszene verpufft im Ungefähren.

Aber eben auch viele beglückende schauspielerische Perlen – Markus Seuß als Prinzessin von Frankreich und auch Thomas Ziesch nicht nur als Ferdinand von Navarra – Erik Roßbander als Conferencier und Holofernes und Tim D. Lee als Longaville, plus, plus. Dazu Felix Elsner am Multi-Piano.

Wenn die Liebe ausbricht – auch als „Verlorene Liebesmüh“, die auch schon mal als „Liebes Leid und Lust“ und im Original als „Love’s Labour’s Lost“ über die Bühne stürmte – es bleibt nichts, wie es vorher war. Und hinterlässt Chaos, das dem von Tsunamis, Tornados, Vulkanausbrüchen und Beben verdammt ähnlich sieht. Auch wenn es individuell beschränkt bleibt. Und auf der Bühne: allemal Theater.

Sie hat ihren ganz eigenen Stil entwickelt, die bremer shakespearecompany, spielt Shakespeare ganz alt – wenn Männer auch die Frauenrollen übernehmen – und ganz modern mit Slapsticks, viel Musik und Show-Elementen und in neuer Übersetzung. Zeitlos und mit viel Zeitbezug. „Verlorene Liebesmüh“ und Liebe, die mit Urgewalt über die Bühne hereinbricht.

Marianne Menke



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