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Frank Castorf und Claus Peymann treten ab

Theater-Dämmerung in Berlin

BERLIN. Ihre Widerspenstigkeit war berühmt und berüchtigt. Jetzt geht in Berlin die Ära zweier ungleicher, genialischer Theaterpatriarchen zu Ende. Claus Peymann und Frank Castorf laden am Wochenende ihre Fans zu ihren ultimativ letzten Vorstellungen ein.

veröffentlicht am 29.06.2017 um 16:06 Uhr

Frank Castorf Foto: dpa

Autor:

Elke Vogel

Nach 25 Jahren verabschiedet sich Castorf am Samstagabend als Intendant der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. „Für viele, für die in den letzten Jahrzehnten die Volksbühne ein Teil ihres Lebens war, bricht eine Welt zusammen“, prophezeit das Theater in einer seiner letzten Mitteilungen unter der Ägide von Castorf.

Castorf wird zur neuen Spielzeit vom umstrittenen belgischen Kulturmanager Chris Dercon abgelöst, gegen den sich die bisherige Volksbühnen-Mannschaft unter anderem mit einem offenen Brief wehrte. „Dieser Intendantenwechsel ist keine freundliche Übernahme“, hieß es darin. Jetzt soll der Abschied von den „guten alten Zeiten“ zelebriert werden.

Zum letzten Mal wird Castorfs Inszenierung von Ibsens „Baumeister Solness“ gezeigt – mit Schauspielern wie Kathrin Angerer und Marc Hosemann. Nach Ende der vierstündigen Aufführung wird vor dem Theater gefeiert. „Ein großes Straßenfest soll das werden an einer langen Tafel, die von der Volksbühne bis fast zum Alexanderplatz reicht“, kündigte das Theater an. Der 65-jährige Castorf selbst verschwindet mit seinen Arbeiten aber natürlich nicht gänzlich aus der Stadt. Er wird seine Berliner Premieren künftig am Berliner Ensemble feiern – an der Bühne seines langjährigen Antipoden Claus Peymann.

laus Peymann. Foto: dpa
  • laus Peymann. Foto: dpa

Dieser Coup gelang Oliver Reese, der den gerade 80 Jahre alt gewordenen Peymann als BE-Intendant ablöst. Nach 18 Jahren räumt Peymann seinen Chefsessel nur widerwillig. Gegen seinen Nachfolger Reese, der vom Schauspiel Frankfurt kommt, teilte er kräftig aus und sprach ihm die Kompetenz zur Leitung des Berliner Ensembles ab.

„Der Abschied“ heißt dort am Sonntagabend schlicht die letzte Vorstellung unter Peymanns Leitung. Schauspieler wie Klaus Maria Brandauer, Cornelia Froboess, Carmen-Maja Antoni, Meike Droste und Sabin Tambrea werden auftreten. Auch Herbert Grönemeyer kommt zur Peymann-Verabschiedung. Der Sänger und Komponist brachte am Berliner Ensemble zusammen mit US-Regisseur Robert Wilson gefeierte Versionen von Goethes „Faust“ und Büchners „Leonce und Lena“ auf die Bühne. Nina Hagen, die immer wieder im Berliner Ensemble auftrat, wird ebenfalls erwartet. „Am Ende gibt es auch ein Feuerwerk, das ich privat finanziere“, kündigte Peymann an.

Im September hebt sich dann an der Volksbühne und am Berliner Ensemble wieder der Vorhang – und die neuen Intendanten Chris Dercon und Oliver Reese müssen zeigen, ob sie in die großen Fußstapfen ihrer Vorgänger treten können.

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