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Die Altstadt als Bühne

Theater feiert Saisoneröffnung in der Fußgängerzone

HAMELN. Wo sonst die Familie im Zentrum steht, dominierte diesmal einen Sonntagnachmittag lang unser Theater. Ein traditioneller Gastgeber einmal als Gast. Saisoneröffnung nicht im und vor dem eigenen Haus – dafür mitten in der Stadt. Weil unsere Bühne immer noch eine einzige Baustelle ist, auf der einmal nicht theatralische Fäden, sondern Leitungskabel gezogen werden

veröffentlicht am 17.09.2017 um 20:44 Uhr
aktualisiert am 18.09.2017 um 10:10 Uhr

„Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ schmettern die Akteure vom Landestheater Detmold und unterhalten mit einem Ausschnitt aus „Die Csárdásfürstin“. Foto: wfx
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Autor

Richard Peter Reporter
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Aber egal, wo die „Bretter aufgeschlagen“ werden: Theater kann überall stattfinden, auch wenn Hochzeitshaus und Osterstraße die Kulisse bilden. Ob Heimspiel oder „Auswärtsspiel“ wie jetzt im FiZ, der ersten Station einer ganzen Reihe von „Auswärtsspielen“, um die theaterlose, die schreckliche Zeit zu überbrücken.

Was im vergangenen Jahr vor vertrauter Kulisse als kleiner, manchmal etwas renitenter Elefant unterwegs war und sein Publikum begeisterte – diesmal drei Mistkratzer, zwei Hennen und ein stolzer Hahn, ganz wichtig und mit Basss-axophon. Und alle drei musikalisch unterwegs – bezaubernd, wenn sie bei Applaus in Panik durcheinanderrennen. Und natürlich werden komödiantisch Eier gelegt – und einmal eine Banane, die prompt an das Federvieh verfüttert wird. Ein Walk-Act zum Verlieben. Im FiZ respektive im kleinen Hof verkündeten die Detmolder via „Csárdásfürstin“ das berühmte „ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ mit Megan Marie Hart als Fürstin im Duett mit Markus Gruber, ergänzt um Andreas Jören und Sachie Furuya am Klavier. Das Theater für Niedersachsen, das an selber Stelle für Smetanas „Die verkaufte Braut“ warb, mit der sie im Laufe der Saison – und dann im Theater – bei uns gastieren. Als Hans und Marie Konstantinos Kliromomos und Antonia Radneva. Am Klavier Kathryn Bolitho. Während des Duetts „Muttersegen schenkt dir Heimat“ sah es, wenn auch nur in himmlischen Sphären, duster aus, um ausgerechnet bei „in Ewigkeit“ mit einem gewaltigen Donnerschlag ungefragt mitzumischen. Was die Himmlischen gegen die Zeile „Dir gehör ich ewig“ zu motzen haben und mit Donnergrollen begleiten, wird ewig ihr Geheimnis bleiben.

„Die dumme Augustine“ alias Claudia Spörri – ganz oben, unterm Dach, links und rechts Stuhlreihen und die Kleinen in der Mitte auf einer Kissenlandschaft und Augustine voll in Action mit Kindern, Katze und dem ganzen Haushalt im Zirkuswohnwagen. Dass sie am Schluss für ihren Mann, den „dummen August“ einspringen muss und das natürlich prima schafft: durchaus liebenswert mit dem kleinen emanzipatorischen Finger gewedelt. Und klar doch: Theater-Chef Wolfgang Haendeler, und seine Dramaturgin Ilka Voß, lesend – diesmal eine spannende Szene um Pater Brown und als Finale die „Schwitzenden Männer im Schuhgeschäft“ mit dem Theater DeichArt mit hinreißenden Musikeinlagen. Wieder bei Sonnenschein. Und wie immer, wenn unser Theater feiernd die Saison eröffnet – auch wenn es zunächst allemal „Auswärtsspiele“ sein werden, ein gewaltiges Kuchenbuffet der Freunde des Theaters, Kinderschminken und verschiedene Aktionen. Und der Stadt ganz locker theatralisch auf die Pelle gerückt.

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