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Bittersüße Songs im Musikzentrum Hannover

The Pineapple Thief: Lieder wie eine Ananas

HANNOVER. Seit zehn Jahren gibt es das Progressive-Rock-Plattenlabel K-Scope. Hier reüssieren Porcupine Tree und deren Mastermind Steven Wilson, dessen erfolgreichen Soloplatten man zuletzt zu viel Pop vorwarf. Ähnlich könnte es Bruce Soords Gruppe The Pineapple Thief gehen, die früher deutlich härtere Töne anschlug, mit den letzten Alben „Magnolia“, „Your Wilderness“ und „Dissolution“ Melodien und kompakte Songformate deutlich in den Vordergrund geschoben hat.

veröffentlicht am 19.09.2018 um 17:09 Uhr

Bandleader Bruce Soord überzeugte nicht nur mit seiner Stimme, auch seine Gitarre verzückte das Publikum. Foto: jed
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Autor

Martin Jedicke Reporter
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Die Band trägt nicht umsonst die Ananas im Namen. Mag deren Fruchtfleisch eine angenehme Süße aufweisen, freilich mit einem Quantum Säure im Abgang, bleibt die Hülle kratzig, die Blätter weisen gar zackige Stacheln auf. So ähnlich funktioniert auch das Konzert von The Pineapple Thief am Dienstagabend im Musikzentrum Hannover. „No Man’s Land“ beginnt als zarter Popsong über Verlust und Entfremdung – Süße und Säure. Soords hallunterlegte Stimme schwebt über den Köpfen der 400 Gäste, bis Gavin Harrisons so mächtige wie filigrane Drums eine zweiminütige Coda einleiten, die das Lied zu einem widerborstigen Rocksong anschwellen lässt. Immer wieder unterstützt der Bassist Jon Sykes den Gesang, besonders hübsch im finalen „Snowdrops“. Zusammen mit Soords Akustikgitarre perlen die Töne wie Schneeflocken herunter, und dies bei fast 30° Innen- und Außentemperatur, bis das von zwei E-Gitarren entzündete Feuer den Schnee wegschmilzt.

Fast die Hälfte des Programms stammt vom aktuellen Tonträger, der sich mit den Geistern, die die Medienwelt rief, auseinandersetzt. Auch wenn die Texte mitunter ein wenig zu sehr im Ungefähren bleiben, bieten sie so dem Zuhörer Gelegenheit, die Leerstellen selbst zu füllen. Und meist geht’s dann doch um gescheiterte Beziehungen wie in dem fulminanten Melodie-Kracher „Threatening War“. Wenn das neue „Try As I Might“ fast beatlesk daherkommt, erinnert „3000 Days“ an die Zeit, als The Pineapple Thief noch deutlich härter aufspielten. Aber auch das aktuelle „White Mist“ reißt die Zehn-Minuten-Grenze, bietet Art-Rock mit Gitarrenwechsel und jaulenden Keyboards à la Emerson, Lake & Palmer.

War The Pineapple Thief früher ein Soloprojekt Bruce Soords, so steht nun eine Band auf der Bühne, die mit dem King-Crimson- und Porcupine-Tree-Drummer Gavin Harrison einen Meister seines Fachs hinzugewonnen hat, der sogar eng in den Songwriting-Prozess eingebunden ist. Putzig allerdings, dass die Songs mitunter getrennt voneinander in unterschiedlichen Studios gewachsen sind, kritisiert die neue CD doch Entfremdung und den Mangel an Face-to-face-Kommunikation.

Steven Wilson hatte The Pineapple Thief einst bei K-Scope untergebracht. Inzwischen sind Soord und seine vier Mitstreiter mit ihrem Mentor mindestens gleichgezogen. Die vielen Fan-T-Shirts von Wilson und Porcupine Tree zeugen von der Verbundenheit mit den Ananasdieben. Als Andenken gibt‘s morgen eine frische Ananas. Natürlich gekauft, nicht geklaut.



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